Konjunktur

Ukraine-Krieg bremst deutsche Wirtschaft stark

Die Sorge vor einer Rezession in Deutschland wegen des Ukraine-Kriegs nimmt zu. Eine neue Studie schürt solche Bedenken – und warnt auch vor langfristig schwerem Schaden.

Ukraine-Krieg bremst deutsche Wirtschaft stark

ms Frankfurt

Der Krieg in der Ukra­ine wird der deutschen Wirtschaft nicht nur kurz-, sondern auch mittel- und langfristig erheblichen Schaden zufügen und merkliche Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, an der unter anderem das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mitgewirkt hat. Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im nächsten Jahr um 1,7% niedriger ausfallen als ohne Krieg und die Wirtschaft bis zum Jahr 2030 mehr als 260 Mrd. Euro an Wertschöpfung verlieren. Bei einer weiteren Zuspitzung könnte der Schaden laut den Autoren sogar noch deutlich höher ausfallen.

Die Studie dürfte die Sorgen vor einer Rezession in Deutschland verstärken. Einige Volkswirte sehen Deutschland aktuell bereits in der Rezession – was aber umstritten ist. Grund für solche Sorgen ist insbesondere der Ukraine-Krieg, der die hohe Inflation weiter anheizt und zu einer Energiekrise geführt hat. Zugleich weitet die Studie den Blick auch auf die längerfristigen Folgen. Solche Schätzungen sind indes mit großer Unsicherheit verbunden, wie auch die Autoren einräumen.

Mit Blick auf die kurze Frist zeigen sich die Folgen des Kriegs laut der Studie in der verminderten Wachstumsdynamik aufgrund der Sanktionen und der höheren Preise für Energie und Rohstoffe. Die gestiegenen Preise belasteten sowohl die Exportwirtschaft als auch die Konsummöglichkeiten der privaten Haushalte, so die Studie, an der neben dem IAB auch andere Institute beteiligt waren. „Die niedrigeren Exportaktivitäten tragen den größten Anteil an der schwächeren Wirtschaftsleistung“, so die Autoren mit Blick auf die Prognose eines um 1,7% geringeren BIPs im nächsten Jahr.

Mittel- und langfristig ist demnach damit zu rechnen, dass die deutsche Wirtschaft auch ohne einen kompletten Gas-Lieferstopp bis zum Jahr 2030 mehr als 260 Mrd. Euro an Wertschöpfung verliert. Vor allem in den energieintensiven Wirtschaftsbereichen wie der Baustoffherstellung, der Chemieindustrie und der Metallerzeugung liege durch den Krieg und die Energiekrise die Wirtschaftsleistung deutlich niedriger als im Szenario ohne Krieg.

Was den Arbeitsmarkt betrifft, zeigt die Studie, dass zwischen 2022 und 2028 im Durchschnitt 150000 Personen weniger beschäftigt sein werden als in einem Alternativszenario ohne Krieg. Die negativen Effekte würden sich aber mit der Zeit abschwächen. Mittel- und langfristig komme es vor allem in der arbeitsintensiven Gastronomie zu einer niedrigeren Erwerbstätigkeit.

Sollte es in den nächsten Monaten jedoch zu einer doppelt so hohen Energiepreissteigerung kommen wie bislang beobachtet – also um 160% statt um 80% – prognostiziert die Studie noch größeren Schaden. Das BIP wäre dann im kommenden Jahr sogar um fast 4% niedriger. 2030 würde das BIP noch um 0,5% niedriger ausfallen. Auf dem Arbeitsmarkt würden unter diesen Annahmen nach drei Jahren 660000 Personen (1,5%) weniger beschäftigt sein.