Und jetzt zu etwas völlig anderem
Vor ziemlich genau 50 Jahren – am 5.10.1969 um 22:55 Uhr – hat die BBC die erste Folge von “Monty Python’s Flying Circus” ausgestrahlt. Damals glaubte wohl kaum einer der Verantwortlichen des Senders, dass man die Macher der kabarettistischen Serie auch ein halbes Jahrhundert später noch feiern würde. Man hatte sie nicht ohne Grund auf einen äußerst unbeliebten Sendeplatz abgeschoben. Und auch nach dem Start war eine Reihe von BBC-Größen nicht zufrieden mit dem Programm, wie Dokumenten zu entnehmen ist, die der Sender offengelegt hat. “Nihilistisch und grausam” sei der Humor der Macher, die “ständig über die Grenze des Annehmbaren hinausgehen”, heißt es dort. Man habe den Eindruck, dass das Team “im Sadismus seines Humors” schwelge. Wie die Nationalhymne in einer Hymne behandelt wurde, sei “einfach nicht lustig” gewesen. Auch eine Zeichentricksequenz, in der eine Madonna mit Kind vorkommt, kam bei den Programmverantwortlichen schlecht an. Die Publikumsforschung des Senders ergab jedoch, dass “Monty Python’s Flying Circus” etwa der Hälfte der Befragten gefallen hatte. Sie merkten unter anderem positiv an, dass das Programm die Möglichkeiten, die das Medium biete, zur Gänze ausnutze. “Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal so viel Schund gesehen zu haben”, lautete dagegen eine der negativen Reaktionen. Trotzdem entschied sich die BBC, an der Serie festzuhalten, von der schließlich vier Staffeln produziert wurden. Am Samstag trafen sich Fans in “Gumby”-Kostümen vor dem Roundhouse in London. Zum Outfit der Figuren aus der Serie gehört ein Taschentuch mit Knoten auf dem Kopf, ein Pullunder, hochgerollte Hosenbeine und Gummistiefel.Wäre die BBC bereit, die Serie auszustrahlen, wenn sie heute produziert würde? Wohl kaum. John Cleese, eines der Mitglieder von Monty Python, hat sich als Brexit-Befürworter geoutet – ein “No-No” in der Welt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und seitdem es zum guten Ton gehört, ständig über irgendetwas empört zu sein, bemüht sich die Senderfamilie ohnehin, möglichst nirgendwo anzuecken. In vorauseilendem Gehorsam wird schon eingegriffen, bevor es überhaupt zu Unstimmigkeiten kommen kann. Die Notwendigkeit der Rücksichtnahme, wenn es um politische, religiöse oder soziale Fragen gehe, habe “absurde Ausmaße” angenommen, kritisierte Indarjit Singh. Er durfte in der Sendung “Gedanke zum Tag”, in der Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften zu Wort kommen, nicht an einen Guru der Sikhs erinnern. Das könne Unmut bei Muslimen hervorrufen, habe es zur Begründung geheißen. Der besagte Guru hatte sich im 17. Jahrhundert gegen die Zwangskonversion von Sikhs im indischen Mogulreich ausgesprochen und war hingerichtet worden. “Es war, als würde man einem Christen sagen, er solle nicht über Ostern sprechen, weil das die Juden empören könnte”, sagte der Oberhausabgeordnete der “Times”. *Kommen wir jetzt zu etwas völlig anderem. Die Weltuntergangssekte XR will den Verkehr im Londoner Regierungsviertel zwei Wochen lang lahmlegen, um gegen das “wahnsinnige und selbstmörderische System” zu protestieren, das einfach nicht auf sie hören will. Die Regierung solle “die Wahrheit sagen”, fordern die Anhänger von Extinction Rebellion, denn sie haben sie gepachtet. Bedauerlich, wenn jemand wegen der Proteste seine Miete nicht zahlen könne. Aber wo gehobelt wird, fallen Späne, wusste schon Josef Stalin. Oder, um Mao Tsetung zu zitieren: “Eine Revolution ist kein Gastmahl, kein Aufsatzschreiben, kein Bildermalen oder Deckchensticken.” Dass die Londoner Met Police nicht dazu in der Lage sein wird, dem selbstgerechten Treiben Einhalt zu gebieten, zeigte sich schon am Donnerstag, als XR-Aktivisten ungehindert ein altes Feuerwehrlöschfahrzeug direkt vor das Schatzamt fahren und solange eine rote Flüssigkeit auf die Fassade spritzen konnten, bis sie die Kontrolle über den Schlauch verloren – eine Szene wie aus “Monty Python’s Flying Circus”. Nur fehlt es den Gläubigen an Humor. Aber den sollte man wohl auch nicht von Leuten erwarten, die glauben, dass das Ende der Menschheit vor der Tür steht.