Beschäftigung

Unternehmen zögern mit Neueinstellungen

Die Betriebe in Deutschland haben im Februar weniger neue Stellen ausgeschrieben. Erste Bremsspuren am deutschen Arbeitsmarkt werden sichtbar. BA-Chefin Andrea Nahles appelliert an die Unternehmen, auch Geringqualifizierte ins Visier zu nehmen.

Unternehmen zögern mit Neueinstellungen

Die Unternehmen in Deutschland zeigten sich im Februar weniger bereit zu Neueinstellungen. Das Beschäftigungsbarometer des Münchner Ifo-Instituts sank auf 99,4 Punkte – nach 100,1 Zählern im Januar, wie die Wirtschaftsforscher am Freitag mitteilten. „Angesichts des Fachkräftemangels ist jedoch zu erwarten, dass Unternehmen in vielen Branchen weiterhin auf Personalsuche bleiben“, hieß es dazu vom Ifo.

Während die Betriebe im verarbeitenden Gewerbe etwas zurückhaltender geworden sind, wird im Maschinenbau und in der Elektroindustrie dem Frühindikator für den Arbeitsmarkt zufolge weiterhin eingestellt. Nach wie vor schwierig ist die Situation in energieintensiven Branchen – etwa in der Chemie. Auch im Dienstleistungssektor schwächelte die Einstellungsbereitschaft etwas. Lediglich in Tourismus und Gastgewerbe wurden vermehrt neue Stellenanzeigen geschaltet. Im Handel herrscht derweil weiterhin Zurückhaltung. Auch im Bauhauptgewerbe wurden weniger zu besetzende Arbeitsplätze ausgeschrieben.

Hintergrund für die sinkenden Einstellungen dürfte die schwächelnde Konjunktur sein. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Schlussquartal des vergangenen Jahres deutlicher als in einer ersten Schätzung angenommen (siehe Text auf dieser Seite). Der Arbeitsmarkt brummt hierzulande weiter: Für Januar meldete die Bundesagentur für Arbeit (BA) zwar eine gestiegene Zahl an Arbeitslosen – allerdings eine geringere als für diese Jahreszeit üblich. Doch erste Bremsspuren dürften auch hier in den kommenden Monaten zu erkennen sein. Ihren nächsten Arbeitsmarktbericht wird die BA am kommenden Mittwoch vorstellen. Beobachter erwarten erneut eine leichte Zunahme der Arbeitslosigkeit. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote der nationalen Rechnung zufolge bei 5,5%.

Trotz des Ukraine-Kriegs und der daraus resultierenden Folgen, der Nachwehen der Coronavirus-Pandemie und steigender Preise hat sich der deutsche Arbeitsmarkt dennoch bislang als sehr robust erwiesen. Nach wie vor kommt die Anspannung von anderer Seite: Der Fachkräftemangel belastet Ifo-Umfragen zufolge 43,6% der Unternehmen. Zwar hat sich die Lage seit den rekordhohen 45,7% vom Fachkräftemangel beeinträchtigen Unternehmen im Oktober leicht entspannt, doch die Sorge der Betriebe bleibt weiterhin groß.

Die Bundesregierung hat aus diesem Grund eine Strategie zur Fachkräftesicherung entwickelt. So soll im Sommer etwa die Einwanderung reformiert werden – mit deutlichen Entlastungen für Zuwanderer, was den Nachweis ihrer beruflichen Qualifikation angeht.

Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der BA, sieht bei der Gewinnung von Arbeitskräften jedoch auch die Unternehmen in der Pflicht. Bei einer Tagung zur Fachkräftesicherung mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Kommunalvertretern in Schwerin sagte die ehemalige SPD-Vorsitzende, sie sehe etwa Reserven bei Arbeitslosen mit unzureichender Qualifikation. „Wenn Sie sich mit uns drauf einlassen, diese Leute einzustellen, dann begleiten wir diese dabei“, sagte Nahles. Mit Einführung des Bürgergeldes sei der Instrumentenkasten größer geworden, Unternehmen bei der beruflichen Integration junger Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung oder auch älterer Langzeitarbeitsloser zu unterstützen. Dies könne vor allem für kleinere Unternehmen eine spürbare Entlastung sein.

Auf einer Veranstaltung der Industrie- und Handwerkskammer in München machte Nahles vergangene Woche fünf Lösungsansätze für den Fachkräftemangel in Deutschland aus: Frauen und junge Arbeitnehmer müssten stärker integriert werden. Außerdem dürften auch ältere Arbeitnehmer nicht aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden. Zuwanderung und Automatisierung könnten weiteres Potenzial bieten.

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