Konjunktur

US-Verbraucher­stimmung leidet unter Inflation

Das Forschungsinstitut Conference Board sieht eine höhere Rezessionsgefahr in den USA. Indes setzten die Häuserpreise im April trotz höherer Zinsen ihren Höhenflug fort.

US-Verbraucher­stimmung leidet unter Inflation

det Washington

Die hohe Inflation und wachsender Pessimismus über die weitere wirtschaftliche Entwicklung haben die Stimmung unter US-Verbrauchern auf den tiefsten Stand seit Februar vergangenen Jahres gedrückt. Wie das Forschungsinstitut Conference Board berichtete, gab der Index des Verbrauchervertrauens im Juni um 4,5 Zähler auf 98,7 Punkte nach. Wie Conference-Board-Ökonomin Lynn Franco feststellte, ist der Unterindikator für Zukunftserwartungen auf den niedrigsten Stand seit fast zehn Jahren abgerutscht.

„Dass die Zukunftskomponente nun deutlich unter 80 gefallen ist, deutet auf schwächeres Wachstum in der zweiten Jahreshälfte und die wachsende Gefahr einer Rezession bis zum Jahresende hin“, sagte Franco. Entscheidend für das Stimmungstief seien Sorgen über steigende Benzin- und Lebensmittelpreise, so die Expertin. Zu erwarten sei, dass in den kommenden sechs Monaten Haushalte ihre Konsumausgaben zurückschrauben. Das betreffe vor allem langlebige Güter und Urlaubspläne.

Unterdessen hat sich der Aufschwung am US-Häusermarkt im April weiter mit hohem Tempo fortgesetzt. Gleichwohl machen sich erste Anzeichen dafür bemerkbar, dass steigende Zinsen Wirkung zeigen und den Preisauftrieb dämpfen könnten. Der einschlägige „S&P Core Logic Case-Shiller“-Index stieg im April auf nationaler Ebene im Vorjahresvergleich um 20,4%. Zwar werden seit über einem halben Jahr Steigerungsraten um die 20% gemeldet. Zum ersten Mal seit November 2021 war aber eine leichte Entschleunigung zu beobachten. Im März hatten die Häuserpreise um 20,6% zugelegt.

Zinsanstieg sollte bremsen

Der Index für die 20 größten Ballungszentren kletterte um 21,2%. Zuvor war ein Plus von 21,1% gemessen worden. Während im März in fast allen Metropolen die Preise auf Monatssicht anzogen, verteuerten sich Eigenheime nun in nur neun von 20 Großstädten. „Wir sehen am Häusermarkt weiter Stärke auf breiter Front“, sagte Craig Lazzara, geschäftsführender Direktor bei S&P Dow Jones Indices. „Gleichwohl sind erste Zeichen leicht nachlassenden Preisauftriebs zu beobachten“, so Lazzara.

Der Preisindex der Federal Housing Finance Agency (FHFA) wies ebenfalls kräftige Steigerungsraten auf. Die FHFA, die Aufsichtsbehörde der staatlichen Wohnbaufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, meldete für April einen Preisanstieg um 1,6% und auf Jahressicht um 18,8%. Laut Will Doerner, Ökonom bei der FHFA, sorgt der geringe Bestand an Immobilien, die auf den Markt kommen, für anhaltenden Preisdruck“.

Der Anstieg der Hypothekenzinsen habe sich in der jüngsten Statistik noch nicht bemerkbar gemacht. Experten rechnen allerdings damit, dass die deutlich höheren Finanzierungskosten in den kommenden Monaten die Nachfrage bremsen und zu deutlich geringeren Preissteigerungen führen werden. So liegt in den USA der durchschnittliche Zinssatz für einen Hypothekenkredit mit 30-jähriger Laufzeit heute schon bei 6%. Das stellt eine Verdoppelung gegenüber Juni 2021 dar, und erwartet wird angesichts der Kursverschärfung seitens der Notenbank Fed eine weitere Kreditverteuerung in den kommenden Monaten.

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