Wirtschaftswachstum

US-Wirtschaft wächst schwächer als angenommen

US-Verbraucher gaben im Schlussquartal weniger aus als zuvor angenommen und drückten somit das Wirtschaftswachstum. Auffallend war hingegen der stärkere Anstieg des PCE-Deflators. Dieser könnte die Notenbank in ihren Plänen bestätigen, weitere Zinserhöhungen zu beschließen.

US-Wirtschaft wächst schwächer als angenommen

Die US-Wirtschaft ist im Schlussquartal des Vorjahres schwächer gewachsen als zunächst angenommen, während der PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmaß der Notenbank, kräftiger zulegte als der ersten Schätzung zufolge. Das wiederum könnte der Fed als weiteres Argument dienen, um wieder einen etwas strafferen Kurs zu steuern. Wie das Handelsministerium berichtete, nahm die Wirtschaftsleistung auf das Jahr hochgerechnet um 2,7% zu. Die vorläufigen Daten vom Januar hatten eine annualisierte Wachstumsrate von 2,9% ergeben.

Das BIP-Wachstum wurde nach unten revidiert, weil die privaten Konsumausgaben mit 1,4% weniger stark gestiegen waren als noch im Januar geschätzt. Die Exporte sanken mit 1,6% kräftiger als erwartet. Positiv fielen hingegen Anlageinvestitionen außerhalb des Eigenheimbaus ins Gewicht, die aber nur teilweise die negativen Faktoren ausglichen. Der annualisierte PCE-Preisindex legte um 3,7% anstelle der zuvor gemessenen 3,2% zu. Die Kernrate kletterte um 4,3%. Die erste Schätzung hatte ein Plus von 3,9% ergeben.

Unterdessen deutet der Chicago Fed National Activity Index (CFNAI) auf stärkeres Wachstum zum Jahresbeginn hin. Der Index, der anhand von 85 Unterindikatoren die landesweite Wirtschaftsaktivität misst, wies ein Plus von 0,23 Punkten aus. Zuvor war ein Minus von 0,46 Zählern gemessen worden. Positive Beiträge kamen unter anderem von der Produktions- und der Beschäftigungskomponente.

Zuvor hatte das Sitzungsprotokoll der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der Fed ein insgesamt optimistisches Konjunkturbild gezeichnet und Fortschritte bei der Bekämpfung der Inflation anerkannt. Gleichwohl herrschte ein breiter Konsens darüber, dass es noch einige Zeit dauern werde, bis sich der laufende Zinszyklus dem Ende zuneigt. Die falkenhaften Aussagen in den FOMC-„Minutes“ deuten nach Ansicht einiger Analysten darauf hin, dass nach der jüngsten Kursentschärfung eine Anhebung des Leitzinses um 50 anstelle von 25 Basispunkten wieder zur Debatte stehen könnte.

In dem Protokoll hieß es, dass die Teuerungsrate noch „deutlich oberhalb des Inflationsziels“ der Notenbank liegt. Angestrebt wird eine Zielgröße von 2%. Besondere Beachtung werden die Notenbanker daher dem PCE-Index für Januar schenken, den das Handelsministerium am Freitag veröffentlichen wird. Zwar begrüßten die FOMC-Mitglieder, dass während der vergangenen Monate der Inflationsdruck nachgelassen hat. Ehe aber deutlich mehr Hinweise für eine erkennbar geringere Inflation vorliegen, und zwar über ein breites Spektrum von Indikatoren, könne von einem „nachhaltigen Abwärtstrend“ keine Rede sein. Gepaart mit den Engpässen am Arbeitsmarkt, die weiterbestehen und zu kräftigen Lohnsteigerungen geführt haben, rechnen die Währungshüter folglich mit „andauernden Zinserhöhungen“. Damit könnten Spekulationen vom Tisch sein, denen zufolge die Fed nach der im März anstehenden FOMC-Sitzung eine Zinspause einlegt oder nach neun Erhöhungen des Tagesgeldsatzes in Folge gar einen Schlussstrich unter den Zyklus ziehen könnte.

Unwahrscheinlich ist daher auch, dass der Zielkorridor – dieser bewegt sich derzeit zwischen 4,5 und 4,75% – bis Ende 2023 nur bei 5,1% liegen wird, wie die letzte Dot-Plot-Grafik des FOMC signalisiert hatte. So hatte James Bullard, der Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis, diese Woche gesagt, dass er mit einer Zielzone um 5,375% rechnet. Auch hatten er und Loretta Mester, Präsidentin des Fed-Ablegers in Cleveland, bei der letzten Sitzung für eine Straffung um einen halben Prozentpunkt plädiert.

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