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Zentralbanken forcieren Arbeit an Digitalgeld

Die Notenbanken rund um den Globus engagieren sich immer stärker beim Thema digitales Zentralbankengeld. Das belegt auch eine neue Studie der BIZ. Ganz unumstritten ist das aber nicht.

Zentralbanken forcieren Arbeit an Digitalgeld

ms Frankfurt

Weltweit treiben die Zentralbanken die Arbeit an digitalem Zentralbankgeld immer stärker voran. Das zeigt eine am Freitag veröffentlichte Analyse der Zentralbank der Zentralbanken BIZ, die auf einer Umfrage unter Notenbanken basiert. Neun von zehn Zentralbanken beschäftigen sich demnach bereits mit digitalen Zentralbankwährungen (Central Bank Digital Currencies, CBDCs). Mehr als zwei Drittel der Zentralbanken sind zudem der Ansicht, dass sie kurz- oder mittelfristig wahrscheinlich oder möglicherweise digitales Zentralbankgeld für Privatkunden herausgeben werden.

China drückt aufs Tempo

Die Umfrage belegt eindrucksvoll, wie die Debatte über digitales Zentralbankgeld an Schwung aufgenommen hat. Auslöser waren nicht zuletzt die Pläne des US-Techgiganten Facebook für eine eigene Digitalwährung. Politiker, Aufseher und Notenbanken fürchteten Risiken für die Finanzstabilität, sorgten sich aber auch um das staatliche Geldmonopol. Facebook hat sein Vorhaben inzwischen gestoppt, aber auch der Trend zu digitalem Zahlen, nicht zuletzt in der Corona-Pandemie, und immer mehr Stablecoins forcieren die Entwicklung. Unter den führenden Zentralbanken drückt vor allem Chinas Notenbank aufs Tempo.

Allerdings ist digitales Zentralbankgeld keineswegs unumstritten. Kritiker warnen nicht zuletzt vor Risiken für die Finanzstabilität, weil es zu einem Abfluss von Geldern aus dem traditionellen Bankensystem kommen könne. Insbesondere in Krisenzeiten könne es einen digitalen Bank Run geben. Diese Befürchtung ist auch bei den Arbeiten am digitalen Euro in der Europäischen Zentralbank (EZB) ein wichtiges Thema. Erst vor wenigen Wochen hatte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) bei dem Thema zu Vorsicht gemahnt und dabei die Folgen für die Finanzstabilität in den Mittelpunkt gestellt (vgl. BZ vom 10. Februar).

Die neue Analyse basiert auf einer Umfrage unter 81 Zentralbanken weltweit, die die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) seit fünf Jahren durchführt. Gegenüber dem bislang letzten Bericht vom Januar 2021 zeigt sich, dass das Thema CBDC immer mehr Prominenz und Relevanz erhält. 90% der Zentralbanken, die teilgenommen haben, beschäftigen sich aktuell mit dem Thema (siehe Grafik). Mehr als die Hälfte entwickelt demnach bereits CBDCs oder führt konkrete Versuche durch. Insbesondere die Arbeit an CBDCs für den Privatkundenbereich ist inzwischen weiter fortgeschritten.

„Sowohl Covid-19 als auch das Aufkommen von Stablecoins und an­deren Kryptowährungen haben die Arbeit an CBDCs beschleunigt – insbesondere in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften, wo die Zentralbanken angeben, dass die Finanzstabilität als Motivation für ihr CBDC-Engagement an Bedeutung gewonnen hat“, heißt es in der BIZ-Analyse.

Weltweit sind inzwischen mehr als zwei Drittel der Zentralbanken der Ansicht, dass sie kurz- oder mittelfristig wahrscheinlich oder möglicherweise digitales Zentralbankgeld für den Retailsektor herausgeben werden. Zentralbanken auf den Bahamas, in China, der Ostkaribischen Währungsunion und Nigeria haben bereits digitales Zentralbankgeld für den Massenzahlungsverkehr herausgegeben oder sind dabei, ein Pilotprojekt zu starten.

Viele Zentralbanken prüfen die Interoperabilität mit bestehenden Zahlungsverkehrssystemen und ziehen eine Rolle für den privaten Sektor in Betracht, insbesondere für kundenorientierte Aktivitäten. Das stößt bei der BIZ, die die Debatte mit ihrem Innovationszentrum ebenfalls vorantreibt, auf Zustimmung: „Die Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor sowie die Interoperabilität würde zu einem Ökosystem beitragen, in dem CBDCs mit anderen Zahlungsmitteln koexistieren“, heißt es in der Analyse.