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Kommentar: Daimler free

Luxus pur

Bildquelle: Daimler, Luxus pur
© Bildquelle: Daimler

Die Farbe des neuen strategischen Anstrichs, den Ola Källenius Daimler verpasst hat, ist noch längst nicht trocken. Die konkreten Pläne zu Spin-off und IPO der Nutzfahrzeugtochter Daimler Trucks werden erst ausgearbeitet. Dennoch gibt das starke vierte Quartal einen Ausblick, wohin der Stuttgarter Autobauer mit dem Anfang des Monats vorgestellten „Projekt Fokus“ hinsteuert. Die bereinigte operative Umsatzrendite im Pkw-Geschäft kletterte im vierten Quartal auf 13,3 %. Das ist weit mehr als die 8 bis 10 %, die sich Mercedes-Benz für 2021 vornimmt. Ex-CEO Dieter Zetsche hatte Letzteres einst als Zielkorridor für normale Jahre ausgegeben.

Doch ein normales Jahr dürfte auch 2021 nicht werden. Die Automobilbranche steht auch im neuen Jahr von Beginn an unter Druck. Im Januar stürzten die Neuzulassungen in Europa um ein Viertel auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen ab. Anhaltende Lieferengpässe mit Elektronikkomponenten bremsen die Produktion. Wenn Daimler in diesem Umfeld davon ausgeht, dass Absatz, Umsatz und operatives Ergebnis „deutlich“ steigen werden, zeugt das vom neuen Selbstbewusstsein in Untertürkheim.

Es ist anzunehmen, dass die Umsatzrendite von 8 bis 10 % für den Schweden nur einen Zwischenstopp darstellt. Nach der Abspaltung des Truck-Geschäfts sollen die Premium-Marke Mercedes-Benz und Edel-Submarken wie AMG ihr volles Potenzial entfalten. Und im Premium-Segment sind ganz andere Margen klar im prozentual zweistelligen Bereich drin. Diese ließen dann auch eine Neubewertung durch die Investoren zu.

Trotz einer Verdreifachung des Börsenwerts seit März 2020 kommt Daimler nur auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 10. Der Börsenwert beträgt mit 71 Mrd. Euro kaum mehr als ein Zehntel der Bewertung von Tesla – eine Diskrepanz, die einerseits Sorgen macht, weil bei Kapitalbedarf keine Waffengleichheit herrscht. Andererseits zeigt der Unterschied, wie viel Potenzial in der Bewertung schlummert.

Dazu muss man nicht einmal auf Tesla blicken. Ferrari kommt mit 4 % der Mercedes-Erlöse auf eine Bewertung von 50 Mrd. Dollar. Das hat offenbar auch VW veranlasst, über einen Börsengang ihrer Ertragsperle Porsche nachzudenken, wie jüngste Spekulationen lauten. Källenius leitet einen Konzern, der anders als VW oder BMW nicht über den Luxus eines schützenden Ankeraktionärs verfügt. Nur eine hohe Bewertung schützt die Unabhängigkeit der Traditionsmarke. Luxus pur scheint da die einzig erfolgversprechende Strategie.

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