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Big Oil wird gemieden

Die Aktien der großen amerikanischen Ölkonzerne sind derzeit an der Börse sehr unbeliebt. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Big Oil wird gemieden

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Big Oil wird
gemieden

Von Dieter Kuckelkorn

Big Oil – also der Sektor der großen börsennotierten amerikanischen Ölkonzerne – ist derzeit am Aktienmarkt ungeliebt. So kommt beispielsweise der Exxon-Konzern, der vor wenigen Tagen ein ausgesprochen gutes Quartalsergebnis vorgelegt hat, auf Sicht von zwölf Monaten auf einen Kursverlust von fast 12%. Der amerikanische Benchmark-Index S&P 500 kommt hingegen in derselben Zeitspanne auf einen stattlichen Anstieg von fast 19%. Auch bei Chevron sieht es nicht besser aus. Der Konzern hat binnen eines Jahres fast 13% an Börsenwert verloren, obwohl das Unternehmen rekordhohe Summen an die Aktionäre ausgekehrt hat, im vergangenen Jahr sein bisher zweitbestes Ergebnis erzielt und auch im vierten Quartal die Analystenschätzungen übertroffen hat. Der Rückgang des Ölpreises kann die Abneigung der Investoren nicht hinreichend erklären, ermäßigte sich der Energieträger doch binnen eines Jahres nur um rund 6%.

Ein weiterer Grund könnten geopolitische Konflikte sein. So schickt sich gerade der zur Regionalmacht aufgestiegene Iran erklärtermaßen an, den westlichen Einfluss im Nahen Osten zurückzudrängen, worunter auch die lukrativen Geschäfte der amerikanischen Ölkonzerne leiden würden. Exxon leidet zudem darunter, dass die Aktivitäten in Guyana zwar lukrativ sind, der militärisch stärkere Nachbar Venezuela aber Anspruch auf genau dieses Gebiet erhebt. Setzt sich Venezuela durch, würde Exxon aus der Region vertrieben. Dass die Geopolitik tatsächlich eine Rolle spielt, darauf weist hin, dass der saudische Ölkonzern Aramco binnen eines Jahres auf einen Anstieg des Börsenkurses um knapp 56% kam – Saudi-Arabien hat sich inzwischen mit dem starken Nachbarn Iran ausgesöhnt.

Ein weiterer Grund mag sein, dass viele Investoren mental von den fossilen Energien Abschied nahmen. Dabei übersahen sie aber bisher, dass hinreichende Investitionen in fossile Energien die Energiepreise erträglich halten und damit die grüne Transition mit Blick auf deren Kosten erst ermöglichen. Diese Erkenntnis setzt sich aber allmählich durch – Big Oil könnte an der Börse eine Renaissance erleben.