MarktplatzRüstungsanleihe

Euphorie sieht anders aus

Die Nachfrage nach der ersten Rüstungsanleihe aus Europa war in Ordnung, aber eben nicht euphorisch.

Euphorie sieht anders aus

Rüstungsanleihe

Euphorie sieht
anders aus

Von Kai Johannsen

Lange haben die Akteure an den Finanzmärkten darauf gewartet, nun ist das Debüt-Papier da: der erste Rüstungsbond aus Europa. Mit den Erlösen der Anleihe sollen Rüstungsgüter und Sicherheitssysteme für die militärische Nutzung finanziert werden. Eine zweckgebundene Anleihe also, konzipiert nach dem Vorbild der Green Bonds, mit denen Klima- und Umweltschutzprojekte finanziert werden.

Die erste Rüstungsanleihe kommt aus Frankreich, und zwar von der Finanzinstitution Group BPCE, eine der größten französischen Bankengruppen. Gewählt wurde eine fünfjährige Laufzeit. Das Papier ging zu einer Rendite von 3,167% an die Anleger, was einem Spread von 96 Basispunkten über den Bundesobligationen entspricht. Das Papier kam im Volumen von 750 Mill. Euro. Die Orderbücher erreichten einen Stand von zum Schluss 2,8 Mrd. Euro. Bei einer derartigen Investorennachfrage kann sicher nicht von Platzierungsschwierigkeiten gesprochen werden. Aber man kann auch nicht gerade sagen, dass die Investoren Schlange standen, um ihre Kaufaufträge abzuliefern oder dass die Orderbücher geradezu prall gefüllt waren. Und gerade bei Debüt-Emissionen hat man in der Vergangenheit schon ein ganz anderes Investoreninteresse gesehen. 10-, 20-, 30-fache Überzeichnungen und auch noch wesentlich mehr waren da schon zu registrieren. Man kann bei der Debüt-Rüstungsemission somit schon sagen: Die Nachfrage war okay.

Die Tür für Rüstungsschuldtitel ist damit aufgestoßen, stellt sich die Frage, wer als nächstes durchgehen wird. Wieder eine Bank? Oder ein Staat, der eindeutig zweckgebundene Rüstungsstaatsanleihen emittiert? Bislang werden solche Ausgaben des Staates ja über die konventionellen Anleihen mitfinanziert. Oder ist es dann doch ein Industrieunternehmen aus der Rüstungsbranche? Verfolgen werden die Akteure auch, wie sich die Konditionengestaltung weiter entwickeln wird. Für das erste Rüstungsschuldpapier musste ein Aufschlag bezahlt werden, nicht nur gegenüber Staatstiteln, sondern auch gegenüber den eigenen Bonds des Emittenten. Bei Green Bonds ist es nur allzu oft eine geringere Rendite.