Im finanziellen Wohlfühlmodus
Notiert in Berlin
Im finanziellen Wohlfühlmodus
Von Angela Wefers
Wer hätte gedacht, dass München und der Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf im finanziellen Wohlbefinden nahezu gleichauf liegen. Die einst größte Plattenbausiedlung Europas aus DDR-Zeiten kommt laut einer Umfrage mit einem „Financial Well Beeing Score“ von 54,3 Punkten nah an München mit 55,03 Punkten heran. Übertroffen wird Marzahn-Hellersdorf nur von den reichen West-Berliner Bezirken Steglitz-Zehlendorf mit 56,6 Punkten und und Charlottenburg-Wilmersdorf mit 55,1 Punkten.
Potenzial für Fin-Techs
Den Status zum finanziellen Wohlbefinden haben der Fintech-Promotor HoFT.Berlin und der Verein Financial Health Initiative gemeinsam vorgestellt. Berlin erreicht mit einem Gesamtpunktwert von 52,6 bis auf zwei Zehntel nahezu den Bundesdurchschnitt. Dieser Wert fällt in die Kategorie „mittel-hohe finanzielle Gesundheit“. Dort empfinden viele Menschen ihre finanzielle Lage als grundsätzlich stabil. Es gibt aber noch Luft nach oben und Potenzial für die Akteure des Fintech-Standorts Berlin. Dort sieht sich das Land bundesweit in einer Führungsrolle.
Befragt wurden knapp 1.300 Menschen in der Hauptstadt zu objektiven Merkmalen wie Bildung, Beruf, persönliches Einkommen, Alter und Geschlecht. Aber auch subjektive Einschätzungen wurden ermittelt: etwa zur Fähigkeit, finanzielle Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen oder unerwartete Aufgaben zu bewältigen. Erstmals wurde eine solche Umfrage auf Landesebene erhoben. Bislang gab es nur Bundesdaten und die vergleichbare Studie für München.
Für Berlin sind solche Daten von politischer Bedeutung, aber nicht nur. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) interpretierte sie als Auftrag, für „echte Chancengerechtigkeit“ zu sorgen. Denn in Berlin schneiden Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund in punkto finanzieller Gesundheit deutlich schlechter ab als im Bundesdurchschnitt. Giffey baut auf neue Lösungen aus der Branche für einen besseren Alltag. Es gibt aber auch gute Nachrichten für sie: Der Anteil der Menschen, die überzeugt sind, eine unerwartete Ausgabe stemmen zu können, liegt mit 44% höher als im Bund mit 41%.
Faktenbasierte Grundlage
Der Fintech-Branche helfen die Daten bei der Entwicklung von Geschäftsideen. HoFT.Berlin-Geschäftsführer Sebastian Schäfer, zuvor beim TechQuartier in Frankfurt, sieht in den Umfrageergebnissen erstmals eine „faktenbasierte Grundlage“ für gezielte Innovationen zu einer besseren finanziellen Gesundheit. Die Wirkung neuer Ansätze im Ökosystem sei so besser einzuschätzen.
Das HoFT.Berlin – House of Finance & Tech Berlin – war erst vor einem Jahr als öffentlich-private Partnerschaft zwischen dem Land und den Akteuren der Finanz- und Technologieakteuern gegründet worden. Es soll den Fintech-Standort stärken, die Branche strukturell weiterentwickeln. Der Senat hat dafür 3,5 Mill. Euro als Anschubfinanzierung bereitgestellt. Wenn der finanzielle Wohlfühlmodus dadurch steigt – in Berlin und bundesweit – ist es sicher sehr gut ausgegebenes öffentliches Geld.