KommentarFresenius

Konsequente Entscheidung

Angesichts hoher Schulden ist es folgerichtig, dass Fresenius Staatshilfe nicht verschenkt, auch wenn es die Aktionäre die Dividende kostet.

Konsequente Entscheidung

Fresenius

Konsequente Entscheidung

Von Sabine Wadewitz

Fresenius ist hoch verschuldet, und in der Ertragsentwicklung des Gesundheitskonzerns war es zuletzt nicht zum Besten bestellt. In der Situation ist es nur folgerichtig, Staatshilfen in Anspruch zu nehmen, auch wenn sie mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden sind.

Es ist eine konsequente Entscheidung des Fresenius-Managements, sich 300 Mill. Euro Energiekostenzuschuss für die deutschen Krankenhäuser nicht entgehen zu lassen und dafür die Dividendenzahlung von zuletzt in Summe gut 500 Mill. Euro auszusetzen sowie variable Vergütungsbestandteile für das Management zu streichen. Der Aderlass in Vorstand und Aktionärskreis gleichermaßen gibt dabei die verantwortungsbewusste Botschaft in den Markt, dass beide in einem Boot sitzen und gemeinsam den Gürtel enger schnallen.

Gravierender Einschnitt

Bei aller Logik, in schwierigen Zeiten 800 Mill. Euro im Haus zu halten, ist es ein gravierender Einschnitt für Fresenius. Das Dax-Unternehmen galt bislang als verlässlicher Dividendenzahler, wurde in einschlägigen Rankings als Ausschüttungsaristokrat gefeiert und hat immer wieder betont, eine "progressive Dividendenpolitik" zu verfolgen, wobei der Ausschüttungssatz stets mindestens auf Vorjahresniveau gehalten werden soll. Insofern dürften einige Anleger von der Kehrtwende auf dem falschen Fuß erwischt worden sein.

Als suboptimal muss dabei das Informationsgebaren der Gesellschaft beurteilt werden. Erst nach einem Bericht des "Handelsblatts", wonach Energiehilfen die Dividende in Frage stellen, sah sich Fresenius bemüßigt, ihre Aktionäre über die möglichen Folgen der Gesetzesnovelle zu unterrichten. Damit hat das Unternehmen an Vertrauen eingebüßt, auch wenn die interne Entscheidungsfindung damals noch nicht abgeschlossen war. Die Kursreaktion nach Veröffentlichung des Zeitungsberichts fiel entsprechend markant aus.

Im Markt angekommen

Inzwischen hat Fresenius den Dialog mit den Marktteilnehmern geführt, und zuletzt mehrten sich Analystenstimmen, die sich mit Blick auf Zinsumfeld und Verschuldung dafür aussprechen, Staatshilfen nicht zu verschenken. Das Aussetzen der Dividende bot somit am Ende keine große Überraschung mehr.

Ungeachtet der rechtlichen Faktenlage sollte es zu denken geben, dass Fresenius gerichtliche Schritte gegen das Dividendenverbot erwägt. Selbst wenn sie Recht bekäme, würde es in der Öffentlichkeit sicher nicht gut aufgenommen, wenn ein nicht existenzgefährdetes Unternehmen, zumal aus der Gesundheitswirtschaft, großzügig Staatshilfe indirekt an seine Aktionäre weiterreicht.

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