Nicht auf Schiene
Die Deusche Bahn ist nach eigener Einschätzung auf Schiene. Mit Rekordinvestitionen will der Staatskonzern zurück in die Gewinnzone rollen, wie Bahnchef Richard Lutz voller Elan verkündete. Das allerdings erst 2022, sofern die Corona-Pandemie bis dahin überwunden ist. Und nur unter der Voraussetzung, dass demnächst üppige Finanzhilfen aus der Staatskasse fließen, die noch von den europäischen Wettbewerbshütern abgesegnet werden müssen. Dann könnte in diesem Jahr sogar der Schuldenstand konstant gehalten werden.
Der Aufsichtsrat, in dem der Bund den Ton angibt, scheint zufrieden zu sein. Den Vertrag von Konzernchef Lutz hat das Kontrollgremium gerade verlängert. Nur eine Gehaltserhöhung scheint auf Druck der Gewerkschaften dieses Mal nicht drin gewesen zu sein. Sie hätte auch nicht zum Gesamtbild gepasst, das die Bahn abgibt. Denn der Konzern ist in der Corona-Pandemie finanziell entgleist.
Unter dem Strich steht für das vergangene Jahr ein Rekordverlust in Höhe von 5,7 Mrd. Euro. Der Umsatz rollte wegen des Ausbleibens von Fahrgästen und eines rückläufigen Geschäfts in der Gütersparte DB Cargo um ein Zehntel zurück. Derweil sind die Nettofinanzschulden bis zum Stichtag um mehr als 5 Mrd. Euro auf 29 Mrd. Euro gestiegen. Wenn es in diesem Tempo weitergeht und die vom Bund versprochene Eigenkapitalspritze nicht bald eine Freigabe erhält, wird das Parlament die vor wenigen Monaten erhöhte Schuldenobergrenze von 35 Mrd. Euro erneut verschieben müssen.
Die Bahn erklärt die Zahlen mit der Pandemie, die mehr als 4 Mrd. Euro Schaden verursacht habe. Richtig ist, dass der Konzern aus Staatsräson sein Angebot im Nah- und Fernverkehr aufrechterhalten hat, obwohl während des Lockdowns zeitweise nur ein Fünftel der normalen Fahrgastzahlen erreicht wurde. Doch die Bahn ist nicht erst wegen Corona von der Schiene gesprungen. Daran erinnert die Sonderabschreibung auf die britische Nahverkehrstochter Arriva, die der Konzern schon längst verkauft haben wollte.
In dieser Verfassung wird es der Bahn schwerfallen, in den nächsten Jahren die mit dem Bund vereinbarten Beiträge zu den geplanten Infrastrukturinvestitionen zu leisten, geschweige denn eine Dividende zu zahlen. Wird der Steuerzahler weiter zur Kasse gebeten, dürfte der politische Druck auf den Staatskonzern spätestens im Herbst steigen. Die Grünen, denen eine Regierungsbeteiligung winkt, haben bereits angekündigt, den Konzern zerschlagen und neu aufs Gleis setzen zu wollen.