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Plattners Erbe

Punit Renjens fehlende Technologie-Expertise war ein Manko, das SAP – zumal von einem aktiven Aufsichtsratschef – nicht tolerieren konnte.

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Von Heidi Rohde

Dass eine Nachfolge für Hasso Plattner bei SAP kein Kinderspiel ist, stand schon fest, bevor die Wahl auf den Ex-Deloitte-Chef Punit Renjen gefallen war. Und es konnte auch keine Überraschung sein, denn die Fußstapfen des SAP-Gründers sind zweifellos schwer auszufüllen. Die eher mühsame und länger andauernde Suche nach einem Chefaufseher für Europas größten Softwarekonzern hinterließ indes bei dem einen oder anderen Investor ohnehin den Beigeschmack einer Notlösung.

Rückblickend war Renjen dies vermutlich auch. Von einem ehemaligen Berater war zu erwarten, dass er SAP eher aus einer Kunden- und Vertriebsperspektive begleiten würde. Eine echte originäre Technologie-Expertise fehlte ihm, ein Manko, das umso mehr auffallen musste, als ein Manager amerikanischer Prägung mit der in Deutschland gesetzlich verankerten Rollenteilung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat eher fremdeln würde.

Punit Renjens fehlende Technologie-Expertise war ein Manko, das SAP – zumal von einem aktiven Aufsichtsratschef – nicht tolerieren konnte.

Nun ist Hasso Plattner selbst sicher der Letzte, der für eine strikte Nichteinmischung des Aufsichtsratschefs in die strategischen Belange des Unternehmens plädieren würde. Er hat sich daran im Zweifel nie gehalten, sondern die Impulse gesetzt, die er für nötig hielt. Was er für besonders nötig hielt, offenbarte der scheidende SAP-Gründer erst vor kurzem in einem Zeitungsinterview. Dass die Amerikanerin Jennifer Morgan als Co-CEO ein so kurzes Gastspiel gab, lag vor allem daran, dass sie Technologie-Innovationen in der Software hintanstellen und aus SAP eine Art Vertriebsmaschine machen wollte. Aus Plattners Sicht wäre dies "das Ende von SAP gewesen". Daher zog er die Reißleine.

Nun hat er sie erneut gezogen. Die Hauruckaktion, Renjen so kurz vor der Hauptversammlung fallenzulassen und stattdessen den ehemaligen Nokia-Chef Pekka Ala-Pietilä auf den Schild zu heben, deutet darauf hin, dass auch bei dieser Entscheidung Technologiekompetenz eine Rolle gespielt hat. Der Finne war eine zentrale Figur beim Aufstieg der finnischen Technologie-Ikone zum einstigen Handy-Weltmarktführer und besetzt mit seiner Expertise für künstliche Intelligenz ein zentrales Zukunftsthema.

SAP wird die Wochen vor der Hauptversammlung nun allerdings auf einen intensiven Investorendialog verwenden müssen, um insbesondere amerikanische Anleger von dem Ad-hoc-Tausch zu überzeugen. Das Gleichgewicht im Machtgefüge zwischen europäischer und amerikanischer Perspektive war für SAP seit vielen Jahren eine Herausforderung.

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