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Premiummarke auf Blume-Linie

Audi-Chef Markus Duesmann muss den Hut nehmen. Überraschend kommt der Abgang nach internen Querelen und operativen Problemen nicht.

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Von Carsten Steevens

In den Präsentationsfolien zum Kapitalmarkttag von Volkswagen reckt er wie die übrigen acht Vorstandsmitglieder des Konzerns noch den Daumen in die Höhe. Keine zehn Tage später ist klar: Die zur Schau gestellte Zuversicht und Harmonie täuscht. Für Markus Duesmann geht es in Wolfsburg und als Chef der Marke Audi nicht weiter. Zum 1. September löst ihn Gernot Döllner ab, seit 1993 bei VW, einige Jahre für Porsche tätig und seit 2021 Chefstratege im Konzern. Überraschend kommt der Wechsel nicht.

Zuletzt hatten sich Spekulationen über die Zukunft von Duesmann im VW-Konzern und bei Audi verdichtet. Kolportiert wurden ein zerrüttetes Verhältnis zu seinem Führungsteam und Kritik an operativen Problemen aber schon länger. Die Hoffnungen, die sich nach schweren Jahren infolge des Dieselskandals mit dem Start des 54-Jährigen bei Audi im Frühjahr 2020 verbanden, haben sich nicht erfüllt. Zwar liefern die Ingolstädter ordentliche Gewinne. Doch das Versprechen mit dem Slogan "Vorsprung durch Technik" beim laufenden Umbruch zu untermauern, ist Audi in den vergangenen drei Jahren nicht gelungen.

Das von Duesmann angekündigte Hightech-Projekt "Artemis" etwa, das als Blaupause für eine agile Entwicklung von Autos im gesamten Konzern gedacht war, kam nicht wie geplant voran. Vorstelllungen des ehemaligen BMW-Managers und der technischen Entwicklung bei Audi wichen voneinander ab - zum Teil deutlich. Mit dem Jahr 2026 als Termin für den Ausstieg aus der Entwicklung von Verbrennern formulierte der Audi-Chef eine ehrgeizige Vorgabe. Zugleich sorgten Software-Probleme dafür, dass die Einführung wichtiger Elektro-Modelle verschoben werden musste. Neben Absatzrückständen verglichen mit der Konkurrenz ließen nicht zuletzt Probleme der Vier-Ringe-Marke im chinesischen E-Fahrzeugmarkt schwindende Bedeutung erkennen.

Dass die Berufung von Porsche-Chef Oliver Blume an die Spitze des VW-Konzerns vor knapp einem Jahr die Position von Duesmann nicht verbesserte, gehört auch zu den Dingen, über die in den vergangenen Monaten wiederholt spekuliert wurde. Nach dem früheren Bentley-Vorstand Peter Bosch, der seit Anfang Juni die IT-Tochter Cariad in die Erfolgsspur bringen soll, rückt nun mit Gernot Döllner ein weiterer Vertrauter Blumes auf einen Schlüsselposten im Wolfsburger Mehrmarkenreich. Ein Manager "mit großer Konzern- und Produkterfahrung" soll nun Audi Vorsprung verschaffen. Die zum Kapitalmarkttag von 11 auf 13% erhöhten mittelfristigen Renditeforderungen geben die Richtung vor.