LeitartikelFinanzinvestoren

Private Equity steckt fest

Hohe Zinsen beenden die goldene Ära: Lukrative Exits sind selten. Allerdings ist die Tatenlosigkeit angesichts üppiger Gebühren kaum noch haltbar.

Private Equity steckt fest

Finanzinvestoren

Private Equity steckt fest

Hohe Zinsen beenden die goldene Ära: Lukrative Exits sind selten. Allerdings ist die Tatenlosigkeit angesichts üppiger Gebühren kaum noch haltbar.

Von Christoph Ruhkamp

Seit fast zwei Jahren schrumpft das Volumen von Buy-outs, Exits und Fundraising: Private Equity steckt fest. Inzwischen steht die Branche unter wachsendem Druck, Wege zu finden, mehr Kapital an ihre institutionellen Investoren zurückzugeben. Denn sonst drohen die "Limited Partners" ihrerseits knauseriger bei neuen Fondsinvestments zu werden. Ohnehin haben viele institutionelle Investoren durch die Korrektur am Aktienmarkt schon die selbst gesetzten oder vom Gesetz vorgeschriebenen Obergrenzen für den Anteil von Private-Equity-Investments an ihrem Gesamtvermögen erreicht oder überschritten. Das Fundraising schrumpft 2023 laut Bain um 30%.

Wie aber können Finanzinvestoren ihre Unternehmensbeteiligungen im Hochzinsumfeld versilbern, ohne bei den Bewertungen nachzugeben? Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen bester Bonität ist auf 5% gestiegen. Das macht es für potenzielle Käufer schwieriger und teurer, die Deals zu finanzieren. Anstatt ganze Unternehmen weiterzureichen, beleihen die Private-Equity-Fonds inzwischen immer häufiger ihre Firmenportfolios mit sogenannten Net-Asset-Value-Verbriefungen, damit sie den Investoren wenigstens einen Teil ihres Einsatzes zwischenzeitlich zurückzahlen können. Die Erlöse aus Börsengängen oder dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen aus Private-Equity-Portfolios sind im laufenden Jahr bis dato laut Pitchbook auf 584 Mrd. Dollar geschrumpft. Das sind 100 Mrd. Dollar weniger als im selben Zeitraum 2022 – und zugleich fast zwei Drittel weniger als im Jahr 2021.

Nur drei größere Börsengänge

Vor allem der Exit über die Börse ist äußerst schwierig geworden. In Deutschland gab es in diesem Jahr nur drei größere Börsengänge. Alle drei – Ionos, Thyssenkrupp Nucera und Schott Pharma – stammten gerade nicht aus den Private-Equity-Portfolios, sondern sind Töchter großer Konzerne. IPO-Investoren sind müde geworden, in Firmen aus Finanzinvestorenhand zu investieren, weil deren Kursentwicklung in den vergangenen Jahren fast immer schlecht war. Der Tankkartenabieter DKV Mobility, an dem CVC beteiligt ist, musste seine IPO-Pläne für dieses Jahr begraben, nachdem der Panzergetriebehersteller Renk aus dem Portfolio des Finanzinvestors Triton sein Debüt im allerletzten Moment gestoppt hatte. Auch Birkenstock (L Catterton) machte in den USA beim Handelsstart eine schlechte Figur.

So bleibt eigentlich nur noch M&A als Ausweg für den Exit. Und hier fallen viele Private-Equity-Häuser als Käufer aus, weil sie größere Deals nicht mehr von den Banken finanziert bekommen, die sich bei der Syndizierung einige Male die Finger verbrannt haben. Jetzt zeigt sich, dass billiges Fremdkapital ein wichtiger Faktor für den Boom und die Renditeerfolge von Private Equity war. Strategische Käufer füllen nur einen Teil der Lücke: Eine der wenigen Ausnahmen für größere deutsche Exits war zuletzt der 1,6 Mrd. Euro schwere Mittelständler EA Automation aus dem Portfolio von Bregal, dem Vehikel der C&A-Familie Brenninkmeijer – oder auch der lukrative Ausstieg von CVC beim Industriegasekonzern Messer. Solche Deals sind eine Seltenheit.

"Dry Powder" in Billionenhöhe

Gleichzeitig sitzen die großen Top-Fonds wie Clayton Dubilier & Rice, KKR oder Apollo auf einem mit 1,1 Bill. Dollar so großen Berg von noch nicht investierten Kapitalzusagen – im Fachjargon "Dry Powder" –, dass sie kaum noch länger auf bessere Zeiten warten können. Sie überprüfen ihre Portfolios, stellen ihre Wertschöpfungspläne neu auf und arbeiten auch sonst daran, die Dinge wieder in Gang zu bringen. Doch das allein rechtfertigt keine Verwaltungsgebühren von 2%. Es kann dabei nicht länger bleiben. Irgendwann wird sich der Anlagedruck auch wieder in Deals übersetzen müssen.

Dieser Zeitpunkt ist vielleicht noch nicht gekommen. Nach einem Jahr mit stark steigenden Zinsen, einer Bankenkrise und geopolitischen Turbulenzen ist es nicht verwunderlich, dass die Private-Equity-Aktivitäten 2023 einbrechen. Ungewissheit ist der Feind des Deals, und Ungewissheit gab es auf den Märkten in Hülle und Fülle. Der Krieg zwischen Israel und der Hamas, stark schwankende Anleihekurse und die Eintrübung der Konjunktur machen Exits nicht gerade einfacher.