Wer Leistung will, muss auf Anreize setzen
Anreize schaffen Leistung
Von Sebastian Schmid
Gesellschaft
Einen „Herbst der Reformen“ hat Bundeskanzler Friedrich Merz versprochen. Und die traurigen Arbeitsmarktdaten zeigen, dass mehr Wachstum in Deutschland dringend Not tut. Erstmals seit mehr als zehn Jahren ist die Zahl der Arbeitslosen über 3 Millionen geklettert. Für eine Trendwende braucht es eine wachsende Wirtschaft und die wird die Politik weder verordnen, noch über staatliche Ausgaben auf Dauer antreiben können. Was sie beeinflussen kann, sind die Rahmenbedingungen. Noch davor steht eine Grundsatzfrage: Welchen Stellenwert soll Leistung in unserer Gesellschaft haben? Denn Wirtschaften ist Wettbewerb. Leistungswille ist damit eine Grundvoraussetzung für jeden Erfolg.
Positive Motivation gefragt
Nun gibt es verschiedene Ansätze, den Leistungswillen zu erhöhen. Ein hierzulande oft diskutierter Ansatz ist die Sanktionierung von vermeintlichem Unwillen. Das mag eine Debatte sein, die aus Gerechtigkeitsperspektive ihren Platz hat. Die grundsätzliche Leistungsbereitschaft steigt aber eher durch positive Motivation. Da genügt ein Blick in den Sport. Wer hier erfolgreich ist, hat das nicht erreicht, weil ihn das schlechte Gewissen zum Training angespornt hat. Ohne eigenen Antrieb geht hier nichts. Der „Herbst der Reformen“ sollte also darauf zielen, den Eigenantrieb bei möglichst vielen Menschen zu fördern – und zwar in allen Lebensphasen.
Der Markt kann Missbrauch regeln
Beispiel Schule: Statt die Noten unter Verschluss zu halten oder gar abzuschaffen, könnte belohnt werden, wenn stärkere Kinder schwächere unterstützen. Das ließe sich etwa über einen spielerischen Wettbewerb zwischen Klassen oder Schulen erreichen. Nach der Schule geht es für die jungen Leute womöglich zur Bundeswehr oder in den Zivildienst. Wer hier freiwillig seinem Land oder anderen Menschen hilft, sollte über großzügige Anreize wie ein Ausbildungsstartkapital belohnt werden. Berufstätige oder Rentner wiederum ließen sich mit Steuervorteilen oder ähnlichem für Ehrenämter begeistern.
Auch im Job sollte sich Leistung lohnen – und das nicht nur für Manager mit üppiger Bonusvereinbarung. Wieso haben Unternehmen nicht die Möglichkeit, einen gedeckelten Betrag von wenigen tausend Euro je Mitarbeiter als steuerfreien, leistungsbezogenen Bonus auszuzahlen? Dass es nicht die Falschen trifft, dürfte der Markt schon regeln. Ein Unternehmer der den Sonderbonus nur an seine Buddies ausschüttet, wird die wahren Leistungsträger schnell verlieren.