Unilever

Alan Jope ist angezählt

Der Unilever-Chef hat ein Problem: Schon vor Bekanntwerden des verunglückten Versuchs, das Consumer-Healthcare-Geschäft von GlaxoSmithKline zu übernehmen, wuchs die Unzufriedenheit der Aktionäre.

Alan Jope ist angezählt

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 – „Wir haben keine Klimakrise, sondern eine Führungskrise“, zitiert die „Times“ Paul Polman, den Vorgänger von Alan Jope an der Spitze von Unilever. Er hat damit nicht die Debatte um seinen Nachfolger ge­meint. In der City sehen das nach Jopes verunglücktem Versuch, das Consumer-Healthcare-Geschäft von GlaxoSmithKline für 50 Mrd. Pfund zu erwerben, manche anders. Schon vor Bekanntwerden der im dritten Anlauf gescheiterten Offerte kritisierten Aktionäre das Vorgehen des Absolventen der Harvard Business School, dessen Alter mal auf 57, mal auf 58 Jahre taxiert wird. Polman war über sein Vorhaben gescheitert, den Sitz des Konzerns in die Niederlande zu verlegen. Jope, der seit 1985 für Unilever tätig ist, wird von Anteilseignern wie Terry Smith (Fundsmith) sein missionarisches Auftreten in Sachen Nachhaltigkeit vorgehalten. Sechs Monate nach seinem Amtsantritt als CEO im Januar 2019 sagte der Ex-Chef der Sparten Beauty und Personal Care auf dem Cannes Lions Festival, das Unternehmen werde sich von Marken trennen, „von denen wir das Gefühl haben, dass sie für nichts Wichtigeres stehen können als dafür, ihr Haar glänzender, ihre Haut weicher, ihre Kleidung weißer oder ihr Essen schmackhafter zu machen“. Wer die Website des Konsumgüterherstellers besucht, könnte den Eindruck gewinnen, bei einer Nichtregierungsorganisation gelandet zu sein. Da stehen Themen wie der Kampf gegen den Plastikmüll oder gegen Covid-19 im Vordergrund, nicht die Suppenwürfel oder Seifen, die das Unternehmen produziert. Jope verlangt, dass die Marken zeigen, was sie für die Gesellschaft oder den Planeten tun können. Der Vater dreier Kinder steht gern im Rampenlicht, wie ein Gastauftritt bei Donald Trumps Fernsehshow „The Appren­tice“ im Jahr 2004 zeigt. Im vergangenen Jahr erklärte der leidenschaftliche Motorradfan den Ausbau des Angebots von pflanzenbasierten Lebensmitteln zu einer der neuen strategischen Prioritäten des Konzerns. Hätte all das zu rasantem Wachstum geführt, gäbe es seitens der Anteilseigner sicher keinen Grund zur Kritik. Doch der aus Sicht des Schotten unaufhaltsame Trend zur fleischfreien Ernährung verhalf Unilever ebenso wenig zu einer höheren Marge oder einer besseren Kursentwicklung wie die Kritik der Eiscreme-Marke Ben & Jerry’s an der Zuwanderungspolitik der britischen Innenministerin Priti Patel.

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