Armin Papperger

Auf dem Fahrersitz

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist Rheinmetall-Chef Armin Papperger ein viel gefragter Gesprächspartner. Eine Rolle, in der sich der Ingenieur durchaus gefällt.

Auf dem Fahrersitz

Von Annette Becker, Köln

Inzwischen vergeht kaum ein Tag, an dem sich Armin Papperger nicht öffentlich zu Wort meldet. Der Rheinmetall-Chef ist viel gefragter Gesprächspartner und gefällt sich sichtlich in dieser Rolle. Lange, für seinen Geschmack zu lange, hat sich jenseits der Branche kaum jemand für Deutschlands größten Rüstungskonzern interessiert, mit Ausnahme notorischer Rüstungsgegner.

Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine hat sich das Blatt gewendet, die von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufene „Zeitenwende“, im Zuge deren ein 100 Mrd. Euro schweres „Sondervermögen“ zur Ertüchtigung der Bundeswehr aufgelegt wurde, hat ihr Übriges getan. Seither steht Rheinmetall und damit Papperger im Rampenlicht. Mit 232 Euro hat die Aktie am Mittwoch ein Rekordhoch erklommen. Der Rüstungskonzern, der jahrelang ein Mauerblümchendasein an der Börse fristete, bringt inzwischen fast 10 Mrd. Euro auf die Waage.

Dabei hatte es vor Kriegsausbruch alles andere als günstig für Rüstungsaktien und -kredite ausgesehen, fielen die Papiere doch bei vielen Profianlegern und Banken durchs ESG-Raster. Papperger legte stets den Finger in die Wunde und beklagte die vor allem in Deutschland mangelnde Wertschätzung für seine Industrie. Ohnehin fehlt es dem Ingenieur, der sein gesamtes Berufsleben bei Rheinmetall verbracht hat, nicht an Selbstbewusstsein. Das zeigte sich im Dezember, als bei einer Schießübung der Bundeswehr alle 18 Schützenpanzer des Typs Puma ausfielen. Als Papperger wenige Tag später mit der damaligen Verteidigungsministerin Christine Lambrecht und Ralf Ketzel, dem Chef von Krauss-Maffei Wegmann, vor die Presse treten musste, war von Demut – immerhin ist die Bundeswehr der wichtigste Kunde von Rheinmetall – keine Spur. Im Gegenteil: Papperger sprach vom „Sturm im Wasserglas“ und sollte am Ende Recht behalten.

Mit der Entscheidung, dass Deutschland nicht nur den Schützenpanzer Marder an die Ukraine liefert, sondern auch Leopard-Kampfpanzer, könnte der Knoten nun endlich geplatzt sein, ist vom „Bundeswehr-Sondervermögen“ bislang doch kaum etwas in den Auftragsbüchern von Rheinmetall angekommen. Dabei hatte der seit 2013 amtierende Vorstandschef nur wenige Tage nach der Scholz’schen „Zeitenwende“-Rede eine Orderliste mit Militärgütern im Volumen von 42 Mrd. Euro nach Berlin geschickt. Ein Vorstoß, der nicht allerorten gut ankam.

Das allerdings beeindruckt Papperger wenig. Dafür ist er schon viel zu lange im Geschäft und hat zu viele Verteidigungsminister und -ministerinnen kommen und gehen sehen. Papperger dagegen, der am 30. Januar seinen 60. Geburtstag feiert, arbeitet schon seit 1990 für die Düsseldorfer Rüstungsschmiede und kennt sich mit allen Geschäften – vom Fahrzeugsystem bis zu Waffe und Munition – bestens aus.

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