Claus Döring verlegt sich aufs Schreiben
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21 Jahre lang hat Claus Döring die Redaktion der Börsen-Zeitung geleitet. An diesem Mittwoch endet seine Tätigkeit als Chefredakteur – mitnichten aber seine Tätigkeit für die Börsen-Zeitung. Der 62-jährige Volkswirt widmet sich künftig als Kolumnist und Autor wieder stärker dem, was ihn schon im Alter von 15 Jahren – seinerzeit als freier Zulieferer für Lokalredaktionen – begeistert hat: dem Schreiben.
Döring ist Vollblut-Finanzjournalist im besten Sinne – niemals leidenschaftslos, wenn in der Finanzwelt Dinge schieflaufen oder aber erstaunlich gut funktionieren. Sondern immer neugierig und, sobald er sich selbst ein Bild verschafft hat, meinungsstark. Das gilt für die von ihm geschriebenen Leitartikel ebenso wie für die bislang von ihm geleiteten Redaktionskonferenzen. Der geborene Franke hakt nach und legt den Finger in die Wunde.
Von den Vorstandschefs im Dax, die Döring in seiner Anfangszeit als Chefredakteur im Jahr 2000 journalistisch beobachtete, ist schon lange niemand mehr im Amt. Oder um es andersherum zu sagen: Als Döring seinen Vorgänger Hans Konradin Herdt als Chefredakteur ablöste, war der heutige SAP-Chef Christian Klein gerade in seinen Anfangssemestern an der Uni.
In seinen Jahren als Chefredakteur hat Döring die Börsen-Zeitung modernisiert und neu sortiert. Unter seiner Regie ist es gelungen, ihren Ruf als hochwertige Qualitätszeitung zu stärken. Mit seinen Moderationen etwa des Eurobörsentags hat er sich längst als eines der Gesichter des Finanzplatzes etabliert.
Dörings Königsdisziplin ist die Kolumne – ohne feuilletonistisches Ornament wie bei mancher Edelfeder, sondern zugespitzt und auf den Punkt. So lässt er etwa in der wöchentlichen Rubrik „Unterm Strich“ keinen Zweifel, was er von bestimmten Entscheidungen in Wirtschaft und Politik hält – oft genug übrigens nicht allzu viel. In den vergangenen Jahren hatte so mancher, den er aufs Korn genommen hatte, in den Tagen nach Erscheinen akuten Redebedarf. So hat Döring mit seiner Kolumne zahlreiche fruchtbare Dialoge mit den Managern in Banken, Unternehmen und Politik initiiert und provoziert.
2013 wurde ihm für „sein pointiertes Eintreten für die Marktwirtschaft“ die Hans-Möller-Medaille verliehen. Zwei Jahre später wurde er mit dem Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet – insbesondere wegen der „analytisch scharfen und brillant geschriebenen Kommentare“. Auf diese Kommentare werden sich die Leser der Börsen-Zeitung auch in den nächsten Jahren freuen können.
In der Chefredaktion übergibt Döring wie bereits angekündigt per 1. April die Aufgaben an den bisherigen Chefredakteur von wiwo.de, Lutz Knappmann, an seinen bisherigen Stellvertreter Detlef Fechtner sowie an den Ressortleiter Unternehmen der Börsen-Zeitung, Sebastian Schmid.