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Deutscher Internet-Unternehmer Lehmann verlässt Uber

Nur sieben Wochen nach dem Verkauf des amerikanischen Essenslieferdienstes Postmates an den größeren Konkurrenten Uber ist für den deutschen Mitgründer Bastian Lehmann Schluss. Lehmann, Vorstandschef der vor zehn Jahren gegründeten Postmates, wird...

Deutscher Internet-Unternehmer Lehmann verlässt Uber

Von Norbert Kuls, New York

Nur sieben Wochen nach dem Verkauf des amerikanischen Essenslieferdienstes Postmates an den größeren Konkurrenten Uber ist für den deutschen Mitgründer Bastian Lehmann Schluss. Lehmann, Vorstandschef der vor zehn Jahren gegründeten Postmates, wird zusammen mit dem Gros der Führungstruppe und fast 200 anderen Mitarbeitern entlassen. Uber bestätigte die Demission von rund 15% der Belegschaft im Zuge der Integration von Postmates in die Tochtergesellschaft Uber Eats gegenüber der „New York Times“. Postmates soll aber weiter als eigenständige Marke bestehen bleiben.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Führung eines übernommenen Unternehmens nach einem Zusammenschluss ausgetauscht wird. In diesem Fall scheint die rasche Trennung aber überraschend gekommen zu sein. Auf Lehmanns Twitter-Konto stand am Montagmorgen jedenfalls immer noch ein angehefteter Tweet, in dem er eine große Zukunft bei Uber Eats suggeriert. „Wir haben Postmates gegründet, um den lokalen Handel zu stärken und das Beste aus Ihrer Stadt zu Ihnen nach Hause zu bringen, – heute sind wir stolz und begeistert, gemeinsam mit Dara Khosrowshahi und dem Uber-Eats-Team diese Mission in den USA fortzusetzen.“ Lehmann hatte diesen Tweet Anfang Dezember abgesetzt, anlässlich des Vollzugs der im Juli angekündigten Übernahme von Postmates, für die Uber 2,65 Mrd. Dollar in Ak­tien gezahlt hatte. Uber-Vorstandschef Khosrowshahi äußerte sich ähnlich zuversichtlich. „Der große Tag ist da! Wir sind begeistert, Postmates und Bastian Lehmann offiziell in der Uber-Familie willkommen zu heißen.“

Es ist aber auch nicht verwunderlich, dass eigenwillige Gründer sich nicht in größeren Organisationen unterordnen können oder wollen. Lehmann ist definitiv ein Gründertyp. „Ich habe keinen Respekt vor dem Status quo“, schreibt er in seinem Profil auf dem sozialen Netzwerk Linkedin. Und der Start-up-Publikation „Gründerszene“ erzählte Lehmann einmal, dass er am Anfang seines Berufsweges „nirgendwo reingepasst“ habe. Aufgewachsen ist Lehmann in Rheda-Wiedenbrück bei Gütersloh. Er träumte aber schon früh vom Silicon Valley. Seine erste Start-up-Idee war Ende der neunziger Jahre eine Online-Auktionsseite, aus der allerdings nie etwas geworden ist. Der Schritt nach Kalifornien gelang Lehmann zehn Jahre später mit der in London beheimateten Design-Plattform Curated.by. Mit der Idee schaffte er es in die Start-up-Schmiede Angel Pad, wo er seine späteren Postmates-Mitgründer Sam Street und Sean Plaice kennenlernte.

Mit Sitz in San Francisco war Postmates in der umkämpften Branche zuletzt nur die Nummer 4 in Amerika hinter den Konkurrenten Doordash, Grubhub und Uber Eats. Grubhub, an der Uber auch interessiert war, wurde im vergangenen Juni von der britisch-niederländischen Just Eat Takeaway geschluckt.

Lehmann, der alternativ auch einen Börsengang erwogen hatte, war klar, dass es zu weiteren Zusammenschlüssen kommen würde. Auf einer Konferenz der Branchenpublikation Techcrunch im Oktober 2019 wich er konkreten Spekulationen zwar souverän aus. Aber „irgendwann“ werde es eine „Marktkonsolidierung“ geben, sagte Lehmann damals.

Als erfolgreicher und vermögender Gründer kann sich Lehmann jetzt in Ruhe über seine nächsten Schritte im Silicon Valley Gedanken machen. Den lockeren, selbstbewussten und immer etwas selbstironischen Stil der Silicon-Valley-Gründer hat Lehmann jedenfalls verinnerlicht. Er erzählte auf der Konferenz, wie er zu den Anfängen von Postmates einmal auf eine öffentliche Live-Präsentation gedrungen hatte, obwohl ihm jeder davon abgeraten hatte. Die Präsentation wurde tatsächlich ein Desaster, aber Lehmann steckte das weg. Er hatte nämlich ein großes Vorbild: den berühmten Mitgründer von Apple. „Steve Jobs macht auch Live-Vorführungen“, begründete Lehmann seine Beharrlichkeit. Das brachte ihm sympathische Lacher im Publikum. Aber ein bisschen Ernst war vielleicht doch dabei.