Private Equity

Dickköpfiges Gründer-Trio führt Machtkampf um Software One

Die Gründer von Software One wollen zeigen, wer die Macht im Unternehmen hat und was der richtige Weg ist. Sie wollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den Verkauf der Firma an Bain Capital durchsetzen.

Dickköpfiges Gründer-Trio führt Machtkampf um Software One

Gründer führen Machtkampf um Software One

cru Frankfurt
Von Christoph Ruhkamp, Frankfurt

Schon zweimal ist der Finanzinvestor Bain Capital mit seiner milliardenschweren Übernahmeofferte für den Schweizer IT-Dienstleister Software One beim Verwaltungsrat abgeblitzt. Obwohl die Private-Equity-Firma die drei Gründer des Unternehmens mit 29% der Aktien auf ihrer Seite hat und obwohl die Offerte einen kräftigen Aufschlag zum aktuellen Kurs bedeutete.

Daniel von Stockar (links) und Beat Curti /
Fotos: Archiv und Beyond Foundation

Doch jetzt wollen Daniel von Stockar, René Gilli und Beat Curti zeigen, wer die Macht im Unternehmen hat und was der richtige Weg ist. Das dickköpfige Gründer-Trio hat eine außerordentliche Hauptversammlung am 18. April erwirkt. Dann sollen die Aktionäre nahezu den gesamten Verwaltungsrat neu besetzen – mit Ausnahme von Daniel von Stockar – und so die Übernahme ihrer Firma durch den Finanzinvestor Bain doch noch ermöglichen.

ABB-CFO als Gegner im Gremium

In dem Kontrollgremium sitzen neben Daniel von Stockar noch sieben weitere Mitglieder, darunter gestandene Fachleute wie der ehemalige Zalando-Manager Jim Freeman. Das bekannteste Verwaltungsratsmitglied ist Timo Ihamuotila, der aus Finnland stammende Finanzvorstand des Industriekonzerns ABB. Dass sich Ihamuotila einfach so auf die Seite schieben lässt, ist kaum vorstellbar. Es dürfte also eine Kampfabstimmung geben, deren Ausgang völlig ungewiss ist.

Denn der Unternehmer Beat Curti, der 2006 Teilhaber bei Software One wurde, kann als zäher Bursche gelten. Der 86-jährige, der gebürtig aus Luzern stammt, hat sein Vermögen in den Branchen Einzelhandel und Medien gemacht und dabei ein erhebliches Firmenkonglomerat aufgebaut. Warum er so lange an seinen Software-One-Aktien festgehalten hat, die er schon ein Jahr nach dem Börsengang, der im Oktober 2019 an der Schweizer Börse Six erfolgt war, hätte verkaufen können, erscheint schleierhaft.

Curti ist eine schillernde Figur: Bereits 1979 kaufte er aus eigenen Mitteln den Beobachter, die damals auflagenstärkste Zeitschrift der Schweiz, von dessen damaligem Besitzer Max Ras. Die von der Handelszeitung Curtis „Lebenswerk“ genannte Bon Appétit Group verkaufte Curti mit einer Weiterbestandsklausel für 266 Mill. sfr an die deutsche Rewe Group. Auch im Privatleben machte Curti von sich reden: Bei der Hochzeit der Freundin Tina Turner nahm er 2013 die buddhistische Trauungszeremonie vor.

Software One war 1992 von René Gilli in Stans unter dem Namen Microware AG gegründet worden. Später, im Jahre 2000, wurde die Softwarepipeline.com von Daniel von Stockar und Patrick Winter in Zürich gegründet. Dann fusionierten beide Firmen. Im Jahr 2006 erfolgte die Übernahme des US-Softwarelizenzierungsunternehmens Software One, das den neuen Namen lieferte, bevor sich KKR 2015 mit 25% beteiligte.

Software One will an diesem Donnerstag auf einer Investorenveranstaltung neue Mittelfristziele vorlegen, nachdem die Wachstumsziele für 2023 verfehlt worden waren. Der Kurs der Software-One-Aktie reagierte am Montag auf die Ankündigung der außerordentlichen Hauptversammlung mit einem kleinen Plus auf 17,45 sfr. Der Börsenwert des Unternehmens, das in der Spitze eine Marktkapitalisierung von 2,9 Mrd. sfr hatte, schrumpfte seit August 2023 um mehr als 15% und notiert unter dem Ausgabepreis.

Kandidaten werden angehört

Der Verwaltungsrat will die außerordentliche Hauptversammlung zur Neubesetzung des Verwaltungsrats mit der eigentlich für den 2. Mai geplanten ordentlichen jährlichen Aktionärsversammlung des Unternehmens zusammenlegen, wie er am Montag mitteilte. Die von den Gründern vorgeschlagenen Kandidaten für das Aufsichts- und Strategiegremium sollen zuvor angehört werden. „Zur Gewährleistung einer angemessenen Corporate-Governance-Überprüfung wird der Nominierungsausschuss die von der Aktionärsgruppe vorgeschlagenen neuen Kandidaten zu Interviews einladen.“ „Gestützt darauf wird der Verwaltungsrat den Software-One-Aktionären seine eigene Empfehlung für die Stimmabgabe an der Generalversammlung unterbreiten.“

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