Familienholding Exor

Elkann bekennt sich zu Juventus Turin

John Elkann, Chef des Familienclans Elkann-Agnelli der Fiat-Erben und der börsennotierten Familienholding Exor, bekennt sich zum Fußballclub Juventus Turin und denkt an weitere Übernahmen.

Elkann bekennt sich zu Juventus Turin

Exor-Chef Elkann plant weitere Übernahmen

Von Gerhard Bläske, Mailand

Mit großer Aufmerksamkeit wurde in Italien verfolgt, dass John Elkann (47), Oberhaupt der Familie Agnelli-Elkann, beim jüngsten Investor`s Day der Familienholding Exor ein klares Bekenntnis zum Fußballclub Juventus Turin abgegeben hat. Die ehemaligen Fiat-Eigner kontrollieren den Verein seit hundert Jahren, hatten aber in den letzten Jahren nicht nur sportlich, sondern auch ökonomisch wenig Grund zur Freude. Es gab deshalb Gerüchte, die Familie sei in Kontakt mit eventuellen Käufern.

Elkann trat diesen Gerüchten nun entgegen. Dabei hat Italiens Rekordmeister im Geschäftsjahr 2022/23 einen erneuten, gleichwohl reduzierten Verlust von 123 Mill. Euro vermeldet. Nach zwei Kapitalerhöhungen über 700 Mill. Euro war bei dem zu 64% von Exor kontrollierten Club erneut eine Kapitalerhöhung notwendig, diesmal um 200 Mill. Euro, die die Familie anteilsmäßig gezeichnet hat. Dazu kamen vor etwa einem Jahr hohe Geldbußen und ein Punkteabzug sowie der Rücktritt fast der gesamten Geschäftsführung, darunter der von CEO Andrea Agnelli, einem Cousin Elkanns.

Exor ist die wichtigste wirtschaftliche Aktivität der noch immer sehr einflussreichen Agnellis. Die börsennotierte Holding hält die zentralen Beteiligungen des Clans, und das sind echte Hochkaräter: 14,4% am französisch dominierten Autokonzern Stellantis, jeweils 26,9% am Landwirtschafts- und Baumaschinenkonzern CNH Industrial und am Nutzfahrzeughersteller Iveco, 22,9% am hoch rentablen Sportwagenproduzenten Ferrari, Beteiligungen am Medienkonzern Gedi, am „Economist“, am Pharma-Unternehmen Institut Mérieux (10%), an Modekonzernen und seit dem Sommer 15% am Medizintechnik-Konzern Philips. Allerdings hat der Wert der Beteiligungen 2022 gegenüber Vorjahr um 10 Mrd. auf 24,2 Mrd. Euro abgenommen.

Elkann, Vater von drei Kindern, CEO von Exor und Chairman von Ferrari und Stellantis, zeigte sich überzeugt, die aktuellen Probleme bei Philips seien zu lösen. Eine Aufstockung der Beteiligung bei Philips auf 20% schloss er nicht aus.

Der jugendlich wirkende Enkel des legendären „Avvocato“ Gianni Agnelli, der in New York geboren wurde, hat Exor auf die Bereiche Gesundheit, Luxus und Technologie ausgerichtet. Für weitere Übernahmen stehen aus dem Erlös des Verkaufs des Rückversicherers Partner Re noch 2,2 Mrd. Euro zur Verfügung. Davon sind 1,7 Mrd. Euro gebunden – durch Beteiligungen an Start-ups über diverse Vehikel und die Investmentgesellschaft Lingotto, die auch zu Exor gehört.

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