CTS Eventim

Klaus-Peter Schulenberg 70

Der Coronaschock verlangt Klaus-Peter Schulenberg viel ab. Der gebürtige Bremer ist Großaktionär und Vorstandsvorsitzender von CTS Eventim, Deutschlands größtem Konzertveranstalter und Ticketvermarkter. Die Pandemie schlug beim MDax-Mitglied...

Klaus-Peter Schulenberg 70

sck

Der Coronaschock verlangt Klaus-Peter Schulenberg viel ab. Der gebürtige Bremer ist Großaktionär und Vorstandsvorsitzender von CTS Eventim, Deutschlands größtem Konzertveranstalter und Ticketvermarkter. Die Pandemie schlug beim MDax-Mitglied operativ ins Kontor. Das Geschäft ist seit über einem Jahr lahmgelegt. Das lange Verbot von Musik- und Kulturveranstaltungen wegen Covid-19 setzt zu. Allerdings hat CTS in den Jahren vor Ausbruch der Pandemie im Februar 2020 genug finanziellen Speck angesetzt, um die Coronakrise weitgehend aus eigener Kraft zu meistern, wenngleich Schulenberg Kreditlinien zog und staatliche Coronahilfen beantragte, um den Schaden infolge der tödlichen Seuche für sein Unternehmen auch auf diese Weise zu lindern. Für die Monate November und Dezember 2020 erhält CTS 102 Mill. Euro öffentliche Mittel. Trotz der Fortschritte bei den Impfkampagnen wagt der CEO für das laufende Jahr keine Prognose. Dafür ist ihm die Lage noch zu unsicher. Die Delta-Variante ist auf dem Vormarsch. Schulenberg verkörpert eine hanseatisch-kaufmännische Abgeklärtheit.

Immerhin haben die Anleger Vertrauen, dass CTS die Krise überwindet. Nach dem Börsencrash im März und April 2020 infolge der Pandemie konnte sich die Aktie rasch erholen. CTS bringt am Markt 5,2 Mrd. Euro auf die Waage. Der in einer Stiftung gebündelte Anteil des Vorstandschefs (38,8 %) ist 2 Mrd. Euro wert. Schulenberg ist mit dem Verkauf von Eintrittskarten reich geworden. Der CEO lebt zurückgezogen. Große Auftritte sind seine Sache nicht. Das zeigte sich im Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Desaster mit der Pkw-Maut von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Zusammen mit Kapsch Traffic bildete CTS das Betreiberkonsortium, welches nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) seine Arbeit nicht aufnehmen konnte, da Scheuers Plan gegen EU-Recht verstößt. Als Zeuge im Ausschuss wies Schulenberg darauf hin, dass der Schaden vor Vertragsunterzeichnung hätte vermieden werden können. „Ich habe angeboten, mit der Unterschrift zu warten, bis das EuGH-Urteil gefällt ist, um genau die Situation, in der wir uns heute befinden, zu vermeiden. Aber Herr Scheuer sagte: Die Maut wird kommen“, führte er aus. Die Betreiber fordern Schadenersatz für den Ausfall. 560 Mill. Euro stehen im Raum.

Nach dem Abitur hatte Schulenberg sein Studium in Betriebswirtschaftslehre und Jura abgebrochen. Er knüpfte damals an sein Hobby als Manager in der Musikbranche wieder an und machte dadurch eine steile Karriere. Am Mittwoch wird Schulenberg 70 Jahre alt.