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Nikolai Setzer wird Continental-Vorstandschef

Von Carsten Steevens, Hamburg Börsen-Zeitung, 13.11.2020 Nikolai Setzer übernimmt am 1. Dezember den Vorstandsvorsitz beim Autozulieferer und Reifenhersteller Continental. In seiner gestrigen Sitzung berief der Aufsichtsrat, der sich bis auf den...

Nikolai Setzer wird Continental-Vorstandschef

Von Carsten Steevens, HamburgNikolai Setzer übernimmt am 1. Dezember den Vorstandsvorsitz beim Autozulieferer und Reifenhersteller Continental. In seiner gestrigen Sitzung berief der Aufsichtsrat, der sich bis auf den vor Ort in Hannover anwesenden Vorsitzenden Prof. Dr. Wolfgang Reitzle von anderen Standorten zuschaltete, den 49-Jährigen zum Nachfolger von Dr. Elmar Degenhart (61). Dessen Ausscheiden zum 30. November aus gesundheitlichen Gründen nach gut elf Jahren als CEO des Dax-Unternehmens war am 29. Oktober bekannt geworden.Die Entscheidung für Setzer, der 1997 zum Konzern kam, dem Conti-Vorstand seit 2009 angehört und spätestens seit der Ernennung zum Sprecher des Automotive Boards im April vorigen Jahres als “Kronprinz” galt, fiel nach Informationen aus gut unterrichten Kreisen einstimmig. Einen ernsthaften Konkurrenten um den Vorstandsvorsitz gab es offenbar nicht. Dass der aus Groß-Gerau stammende Diplom-Wirtschaftsingenieur den Chefposten bei Conti übernimmt, ist als Signal für ein Zusammenrücken im Konzern anzusehen.Die Arbeitnehmervertreter, die den Ende September im Aufsichtsrat gefassten Beschluss ablehnten, den 2019 initiierten Umbau- und Sparkurs in Anbetracht der seit zwei Jahren andauernden Produktions- und Absatzkrise in der Autoindustrie zu verschärfen, hatten sich zuvor für einen Vorstandsvorsitzenden ausgesprochen, der “das Unternehmen sehr gut kennt und das Vertrauen aller Beteiligten genießt” (vgl. BZ vom 31. Oktober). Angesichts der Coronakrise sowie des laufenden Transformationsprogramms, das weltweit die Schließung mehrerer, unter anderem auf Verbrennertechnologie ausgerichteter Werke vorsieht und das inzwischen 30 000 der aktuell fast 234 000 Arbeitsplätze wackeln lässt, sei “jetzt nicht die Zeit für Experimente”, ließ sich der Konzernbetriebsrat Ende Oktober vernehmen.Dieser teilte gestern mit, man begrüße die Entscheidung des Aufsichtsrats, Setzer zum Vorstandsvorsitzenden zu berufen, und setze auf “eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe”. Die Belegschaft erwarte von ihm und dem Vorstand, der mit dem Ausscheiden Degenharts von neun auf acht Mitglieder schrumpft, “eine fundierte Strategie mit verlässlichen Perspektiven auch für Deutschland”. Die Transformation des Unternehmens, das 2020 auf den zweiten Jahresverlust in Folge zusteuert (vgl. BZ vom 12. November) und von 2023 an Bruttoeinsparungen von jährlich über 1 Mrd. Euro anstrebt, werde “nur im Konsens aller Beteiligten funktionieren und nicht mit Entscheidungen im Basta-Format”. Wie sich der von Setzer geführte Vorstand den künftigen Kurs vorstellt, dürfte im Rahmen virtueller Kapitalmarkttage vom 8. bis 16. Dezember deutlich werden.Zur Berufung des neuen Vorstandsvorsitzenden erklärte Aufsichtsratschef Reitzle, Setzer genieße “unser vollstes Vertrauen”. Er werde den Wandel von Continental zu einem Technologie- und Softwareunternehmen “erfolgreich gestalten”. Entscheidend dafür sei seine langjährige, enge Verbundenheit mit Continental und den Unternehmenswerten sowie seine umfangreiche internationale Erfahrung im Auto- und Reifengeschäft. Dem scheidenden Chef Degenhart dankte Reitzle für dessen hervorragende Leistung, vorbildliches Führungsverhalten sowie große Verdienste um die langjährige Erfolgsbilanz des Unternehmens. Als größter Tagesgewinner im Dax legte die Conti-Aktie gestern um 1,1 % auf 107,35 Euro zu.