Frauen in Vorständen

Raus aus der Thomas-Falle

Für deutsche Vorstandsetagen wird nach wie vor rekrutiert, als sei nur der männliche deutsche Wirtschaftswissenschaftler von Mitte 50 namens Thomas in der Lage, an einer Unternehmensführung mitzuwirken.

Raus aus der Thomas-Falle

Raus aus der Thomas-Falle

lis Frankfurt
Von Lisa Schmelzer, Frankfurt

Wer sich in Deutschland mit den Vorständen börsennotierter Unternehmen beschäftigt, kommt um den Thomas-Kreislauf nicht herum. Während sich die Gesellschaft stark wandelt, bleiben die Führungsmannschaften vieler Firmen homogen. Herkunft, Alter, Ausbildung – es wird rekrutiert, als sei nur der männliche deutsche Wirtschaftswissenschaftler von Mitte 50 namens Thomas in der Lage, an einer Unternehmensführung mitzuwirken.  Untersuchungen der deutsch-schwedischen Allbright-Stiftung zeigen regelmäßig, dass für die Vorstände weiterhin fast nur nach der „Thomas-Schablone“ eingestellt wird, unter dem Motto „so haben wir das immer gemacht, das kann so falsch nicht sein“.

Vorteile gehen verloren

„Wenn man aber immer nach Thomas sucht, sieht man Sabine nicht – und auch nicht Kevin aus Ostdeutschland oder Murat mit den türkischen Wurzeln“, erklärt Wiebke Ankersen, die Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung in Deutschland im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. „Dadurch gehen die Vorteile, die im Zusammenspiel von unterschiedlichen Menschen im Team entstehen, verloren.“

Zwar hat die Politik mittlerweile über eine Quote den Druck auf die Unternehmen erhöht, für mehr Gerechtigkeit bei der Besetzung von Führungspositionen zu sorgen. Deshalb ist beispielsweise bei den Dax-40-Konzernen nur noch Porsche ohne weibliches Vorstandsmitglied. Aber für Allbright-Geschäftsführerin Ankersen greifen diese Vorgaben zu kurz. „Mit der Quote setzt die Politik am oberen Ende der Karriereleiter an, aber das löst ja nicht das Problem, dass die meisten Frauen schon am unteren Ende viel seltener in Führung kommen.“

Die Politik müsse vielmehr Impulse setzen, um den Frauen den Weg nach oben zu erleichtern, so Ankersen, und verweist auf das Heimatland der Stiftung, Schweden, wo die Politik ihre Hausaufgaben schon gemacht habe. In dem skandinavischen Land gibt es laut Ankersen beispielsweise ein besseres Kita-Angebot, eine 50:50-Vorgabe bei der Aufteilung der Elternzeit und kein Ehegattensplitting, das die Berufstätigkeit der Frauen unattraktiver mache. In Deutschland herrschten dagegen „stereotype Rollenbilder“ vor, so dass etwa nur sehr wenige Männer Elternzeit nehmen.

Qualifizierte Frauen für Führungspositionen gibt es laut Ankersen genügend. „Seit zwölf Jahren schon gibt es im Studienfach Betriebswirtschaft mehr Absolventinnen als Absolventen, die zudem oft die besseren Abschlüsse haben.“ Die Frauen starten anschließend auch in den Unternehmen, werden aber nicht für die oberen Führungsebenen ausgewählt. Verlassen sie einen Arbeitgeber, sind oft eine fehlende Perspektive im Unternehmen oder eine stark männlich geprägte Kultur der Grund. Ein Wechsel zahle sich meist aus, um die Karriere voranzubringen, so Ankersen. Oft entscheiden sich Frauen dann für Unternehmen, wo andere Frauen schon Karriere gemacht haben.

Katalysator Headhunter

Möglicher Katalysator für weibliche Karrieren können Headhunter sein, hat die Allbright-Stiftung festgestellt. „Die liefern Frauen.“ Da ein Großteil der Vorstände unter Einsatz von solchen Vermittlern gefunden wird, könnte das Frauen nach vorne bringen. Bis hin zum Gleichschritt liegt aber noch eine weite Strecke vor den Managerinnen. Während Thomas bei den männlichen Vornamen von Vorständen der häufigste Name ist, ist es Sabine bei den Frauen – "aber davor kommen noch 22 andere Männernamen".

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