SAS

Van der Werffs zweite Runde unter Chapter 11

Mit Chapter 11 kennt sich Anko van der Werff aus. Bereits für seinen früheren Arbeitgeber, die kolumbianische Fluggesellschaft Avianca, stellte der Luftfahrtmanager einen Insolvenzantrag nach US-Recht, nun landet seine aktuelle Firma, die skandinavische SAS, ebenfalls unter Gläubigerschutz.

Van der Werffs zweite Runde unter Chapter 11

Von Lisa Schmelzer, Frankfurt

Mit Chapter 11 kennt sich Anko van der Werff aus. Bereits für seinen früheren Arbeitgeber, die kolumbianische Fluggesellschaft Avianca, stellte der Luftfahrtmanager während der Corona-Pandemie Insolvenzantrag nach US-Recht, nun landet seine aktuelle Firma, die skandinavische SAS, ebenfalls unter Gläubigerschutz. Bei Avianca gelang die Sanierung. Ob die Skandinavier genauso erfolgreich sind, wird sich in neun bis zwölf Monaten zeigen, so lange dürfte das Verfahren dauern.

KLM, Air France und Qatar

Der gebürtige Niederländer van der Werff hat sein gesamtes Berufsleben in der Airlinebranche verbracht. „Als kleines Kind schlug mein Herz schneller, wenn ich diese blauen Flugzeuge sah“, sagte er im Jahr 2000, als er mit 25 Jahren ein Traineeprogramm bei der niederländischen KLM begann, der Airline mit den blau-weiß lackierten Maschinen. Weitere Stationen waren unter anderem Air France und Qatar Airways. 2014 kehrte er Europa den Rücken, ging zunächst zu Aeroméxico und wurde Mitte 2019 CEO der Avianca, die im Mai 2020 Insolvenzantrag nach Chapter 11 stellte. Van der Werff hat einen Abschluss in Rechtswissenschaften der Universität Leiden in den Niederlanden und ist Absolvent der Harvard Business School in den USA

Seit Mitte 2021 ist der 47-Jährige Chef der SAS, die seit Jahren als Wackelkandidat gilt. Eine der Aufgaben van der Werffs dürfte es sein, einen strategischen Investor für das Unternehmen zu finden. Das muss er nun erst einmal zurückstellen und das Überleben der Firma sichern. Zumal sich die Partnersuche seit Jahren schwierig gestaltet. Abschreckend dürfte der noch vorhandene staatliche Einfluss wirken – die Länder Schweden und Dänemark sind mit jeweils 21,8 % an der Firma beteiligt –, aber auch der scharfe Wettbewerb durch die Billigflieger, auch in den skandinavischen Ländern.

Immer wieder war über eine Annäherung der SAS an die Lufthansa spekuliert worden, die aber bisher kein Interesse hatte und lieber in Italien bei der Ita zugreifen würde. Die beteiligten Manager van der Werff und Carsten Spohr kennen sich gut, die Branche ist überschaubar, und sowohl SAS als auch van der Werffs frühere Firma Avianca sind Mitglied im von der Lufthansa geführten Airline-Bündnis Star Alliance. Mit Kay Kratky sitzt ein früherer Lufthansa-Manager im Aufsichtsrat der SAS. Auch mit Partnerschaften kennt sich SAS-Chef Anko van der Werff aus. Ein wichtiger Geldgeber bei der Sanierung der Avianca war der US-Carrier United Airlines, ebenfalls ein Mitglied der Star Alliance und auch außerhalb des Bündnisses eng mit der Lufthansa verbunden.

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