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Wegbereiter des Aufstiegs in den Dax

Von Stefan Kroneck, München Börsen-Zeitung, 24.9.2019 Reiner Winkler bringt nichts so leicht aus der Ruhe. Für den Vorstandsvorsitzenden von MTU Aero Engines bleibt die Wachstumsstory des Dax-Aufsteigers aus München intakt. Der Handelsstreit...

Wegbereiter des Aufstiegs in den Dax

Von Stefan Kroneck, MünchenReiner Winkler bringt nichts so leicht aus der Ruhe. Für den Vorstandsvorsitzenden von MTU Aero Engines bleibt die Wachstumsstory des Dax-Aufsteigers aus München intakt. Der Handelsstreit zwischen den USA und China, die Krise von Boeing mit dem Mittelstreckenflugzeug 737 Max und die zunehmende Furcht von Anlegern vor einem weltweiten Konjunkturabschwung lassen bei ihm keine Zweifel aufkommen an seiner Prognose, dass der positive Trend in der Luftfahrtindustrie anhält.Winklers Optimismus beruht unter anderem auf der Tatsache, dass sich die Branche in den vergangenen Jahren schnell und deutlich von exogenen Schocks erholen konnte. Das Vertrauen des 58-jährigen Diplom-Kaufmanns in die Stärke von Deutschlands größtem Hersteller von Komponenten für Flugzeugtriebwerke ist uneingeschränkt. Mit einem Auftragsbestand von 18,5 Mrd. Euro ist das Unternehmen für fast neun Jahre voll ausgelastet. Winkler und seine Mannschaft können damit Dämpfer bequem abfedern. Das Geschäftsmodell von MTU basiert vor allem auf dem Boom beim Großabnehmer Airbus im Mittelstreckensegment. Der Verkaufsschlager A320neo beschert dem weiß-blauen Zulieferer ein robustes Auftragspolster in der Kooperation mit dem US-Hersteller Pratt & Whitney (P&W). Das lukrative Wartungsgeschäft sorgt für wachsende Umsätze und Gewinne. Mit ruhiger HandMTU hat einen guten Lauf. Der Konzern befindet sich 2019 auf Rekordkurs. Analystenschätzungen zufolge wird die Serie von firmeneigenen Bestwerten bei den wichtigsten Finanzkennzahlen auch in den folgenden Jahren andauern. Den Aktionären winken weiter steigende Dividenden. Die gute Position von MTU ist Winklers Verdienst. Er ist der Wegbereiter des Aufstiegs des MDax-Wertes in die höchste deutsche Börsenliga. Seit Montag gehört MTU offiziell zu den hiesigen Blue Chips. Das Unternehmen profitiert von der Globalisierung. Winkler führt MTU mit ruhiger Hand. Aufgeregter Aktionismus ist seine Sache nicht. Im vierköpfigen Vorstand ist der verheiratete Vater zweier Kinder ein Verfechter der engen Teamarbeit. MTU wächst aus eigener Kraft. Er verzichtet auf Übernahmen, die das Produktportfolio erweitern könnten. Der gebürtige Hesse geht nach dem Motto vor: Schuster, bleib bei deinem Leisten!Die Branche der Triebwerkbauer ist ein Oligopol. MTU hat sich darin über die enge Zusammenarbeit mit den großen Herstellern gut eingerichtet. Die Branche dominieren P&W, General Electric, Rolls-Royce und Safran. Die Marktanteile sind so gesteckt, dass Übernahmen kaum noch Sinn haben beziehungsweise es schwierig wäre, solche Transaktionen wettbewerbsrechtlich überhaupt umzusetzen. Daher ist der CEO sicher, dass MTU mit einem Streubesitz von fast 100 % kein potenzieller Übernahmekandidat ist. Für Kursfantasie sorgt Winkler über Wachstum im organischen Geschäft. Auf diesem Feld überzeugt das Unternehmen die Anleger. Mit einer Marktkapitalisierung von 12,3 Mrd. Euro ist MTU mittlerweile fast doppelt so viel wert wie die Lufthansa.Winkler beherrscht die Steuerung der Investorenerwartungen aus dem Effeff. In der Kapitalmarktkommunikation gehört es zur “Tradition” des Vorstandschefs, mit Vorlage der Halbjahreszahlen die Jahresprognose zu erhöhen. So war es auch in laufenden Berichtszeitraum. In der Steuerung der Markterwartungen verfolgt der CEO einen konservativen, zurückhaltenden Ansatz. Mit dieser Strategie ist er bisher gut gefahren. Das Geschäftsmodell von MTU ist nicht kurzfristig auf Quartale ausgerichtet, sondern auf längere Sicht. Für Winkler ist MTU daher kein zyklisches Unternehmen wie etwa ein Halbleiterproduzent.Der frühere Konzern-Finanzchef steht seit Januar 2014 an der Spitze von MTU. Bereits seit Oktober 2001 gehört er der obersten Konzern-Führungsebene an. Auch im kommenden Jahrzehnt wird er das Unternehmen steuern. Vor fast einem Jahr verlängerte der Aufsichtsrat seinen Vertrag vorzeitig um weitere fünf Jahre bis Ende September 2024. Dann wäre er 63 Jahre alt.