Wie Luc Popelier den Verkauf der HCOB vorbereitet
Wegbereiter für den Verkauf der HCOB
Von Carsten Steevens, Hamburg
Kontinuität dürfte Luc Popelier wichtig sein. Darauf lässt zumindest die berufliche Laufbahn des Belgiers schließen, der gebürtig aus Wilrijk stammt, einem Teil der Hafenstadt Antwerpen. Der 61-Jährige arbeitete – bis auf ein vierjähriges Intermezzo bei Warburg Dillon Read (heute UBS) in den Neunzigern – mehr als drei Jahrzehnte lang für den in Brüssel ansässigen Finanzkonzern KBC. Von 2009 an gehörte er der Konzernführung an, von 2011 bis 2017 und erneut ab 2021 war er Finanzchef. Seit einem Jahr ist Popelier Vorstandsvorsitzender Hamburg Commercial Bank (HCOB); der vierte seit die Bank 2022 vom Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe in die Einlagensicherung des Bundesverbandes deutscher Banken überging. Das Institut, das aus dem Ende 2018 besiegelten Verkauf der in der Finanzkrise fast kollabierten HSH Nordbank an Finanzinvestoren und damit aus der ersten Privatisierung einer Landesbank in Deutschland hervorging, ist, was ihre Leitung betrifft, kein Beispiel für Kontinuität.
Karten auf dem Tisch
Auch für Popelier – inzwischen wohl auf der Zielgeraden seiner beruflichen Laufbahn – dürfte die Zeit als Vorstandschef der HCOB überschaubar bleiben. Gleichwohl sind die Erwartungen an ihn hoch gesteckt. Der Auftrag: Der Manager soll die Profitabilität der HCOB steigern und die Aussichten auf einen möglichst lukrativen Ausstieg der Eigentümer um die US-Investoren Cerberus und J.C. Flowers verbessern. Luc sei ein renommierter Banker, dessen Erfahrungen und Expertise sehr gut zur HCOB und ihrer strategischen Ausrichtung passten, so der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, Chad Leat, im Juni 2024 bei Ankündigung des vorerst letzten Wechsels an der Vorstandsspitze. Wie sich die Aktionäre den weiteren Weg vorstellen, blieb noch offen. Inzwischen liegen die Karten auf dem Tisch.
Die Bank soll sich stärker auf profitable Bereiche konzentrieren und mehrere Geschäfte einstellen. Im Interview mit der Börsen-Zeitung kündigte Popelier im April an, dass man sich bis 2027 aus dem gesamten Luftfahrtgeschäft, dem Immobiliengeschäft außerhalb Deutschlands sowie aus weiten Teilen des Structured-Finance-Geschäfts zurückziehen werde. Das geplante Abbauvolumen: 3,4 Mrd. Euro. Auch das Immobiliengeschäft in Deutschland soll in den nächsten zwei bis drei Jahren reduziert werden, um Konzentrationsrisiken zu verringern. Im Treasury-Bereich will die Bank ihre Liquidität an das geringere Bilanzvolumen anpassen.
Auf Schrumpfkurs
Mit einer Bilanzsumme von 33,6 Mrd. Euro war die HCOB Ende 2024 rund 40% kleiner als die größte deutsche, ebenfalls in Hamburg ansässige, Sparkasse. Bis 2028 will die Bank weiter schrumpfen – insgesamt um ein Viertel auf ein Bilanzvolumen von rund 25 Mrd. Euro. In Stein gemeißelt ist diese Zielgröße freilich nicht: Bei einem schnelleren Wachstum der europäischen Wirtschaft könne der Wert auch höher ausfallen, heißt es bei der HCOB, die derzeit mit einem Wachstum in allen Kerngeschäftsbereichen außer im Geschäft mit Immobilienkunden plant.
Im ersten Halbjahr 2025 schmolz das Bilanzvolumen nach Angaben im unlängst veröffentlichten Zwischenbericht bereits um fast 3 Mrd. Euro ab. Dazu trugen erste Verkäufe aus dem Structured-Finance-Portfolio und die Einstellung des Neugeschäfts in der internationalen Immobilienfinanzierung bei. Auch Tilgungen in der Schiffsfinanzierung aufgrund einer hohen Liquidität im Markt sowie der schwächere Dollar machten sich bemerkbar. Noch im vierten Quartal dieses Jahres soll das Portfolio von rund 400 Mill. Euro an Finanzierungen für Kunden aus dem Luftfahrtsektor veräußert werden.
Privatkunden im Visier
Mit dem Rückzug aus den Geschäften geht gemessen am Beschäftigungsstand Ende vergangenen Jahres auch ein Abbau von rund 200 bzw. 20% der Vollzeitstellen einher, den Popelier umsetzen muss. Rückstellungen in diesem Zusammenhang werden 2025 das Jahresergebnis drücken. Wesentliche Finanzkennziffern wie die Cost-Income-Ratio und die Eigenkapitalrendite nach Steuern will der der HCOB-Chef, der einen Verkauf der Bank für wahrscheinlicher hält als einen Börsengang, mittelfristig auf rund 40% bzw. 10% verbessern. Zugleich soll in drei Jahren Jahren mit etwa 6 Mrd. Euro knapp 25% des gesamten Refinanzierungsbedarfs durch Privatkundeneinlagen gedeckt werden. Um die Refinanzierung, die bislang auf Unternehmenseinlagen und dem Finanzmarkt beruht, zu diversifizieren und Kosten zu senken, sollen Privatkunden ab kommendem Jahr über eine Online-Plattform direkt Einlagenkonten bei der HCOB eröffnen können. Die Werbetrommel dafür muss Popeliers Bank, die in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres auch einen neuen Hauptsitz in Hamburg beziehen will, bald rühren.