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Nebenwertefonds erscheinen jetzt wieder aussichtsreich

Nebenwerte sind moderat bewertet und sollten von Zinssenkungen profitieren. Damit werden Nebenwertefonds jetzt wieder aussichtsreich.

Nebenwertefonds erscheinen jetzt wieder aussichtsreich

Nebenwertefonds erscheinen jetzt wieder aussichtsreich

Die Titel aus der zweiten und dritten Reihe sind moderat bewertet und sollten von Zinssenkungen profitieren

Von Werner Rüppel, Frankfurt

Während die Kurse großer Werte unter Führung von Big-Tech-Aktien deutlich gestiegen sind und in den vergangenen Monaten ein Hoch nach dem anderen erreicht haben, sind Nebenwerte klar zurückgeblieben. So betrug die Underperformance dieser Assetklasse seit dem April 2022 satte 29 Prozentpunkte. „Das ist eine noch nie dagewesene Marktsituation, die bei weitem die letzte Periode der Underperformance übertrifft“, erklärt Caroline Rothschild, Co-Head of Equities bei Edmond de Rothschild Asset Management. Noch nie sei die Bewertung von Small Caps so niedrig gewesen, sowohl absolut als auch relativ. „Daher gibt es nun einen erheblichen Spielraum nach oben“, so die Expertin. Dazu brauche es allerdings einen Katalysator wie eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank.

MDax mit Aufholpotenzial

Auch hierzulande haben die im MDax vertretenen Titel aus der zweiten Reihe bisher nicht an der Rekordjagd des Dax teilgenommen. „Dies ist erstaunlich“, stellt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der DekaBank, fest. Für den Aktienmarktexperten haben die MDax-Werte gegenüber Titeln aus der ersten Reihe Aufholpotenzial. „Seit mehr als einem Jahr schreibt der deutsche Leitindex einen Rekord nach dem anderen, während sich der MDax in den vergangenen zwölf Monaten nicht vom Fleck bewegt hat“, so Schallmayer. Seiner Meinung nach sollte sich dies spätestens mit der ersten Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank im Sommer umkehren. „Der Gewinnentwicklungstrend der MDax-Unternehmen ist intakt“, stellt der Deka-Experte heraus. Zudem seien die Unternehmen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15,6 relativ günstig bewertet. „Aktuell liegt das MDax-KGV zwar oberhalb der Dax-Unternehmen, jedoch deutlich unter dem historischen Durchschnittswert von 17,3.“

Trotz der jüngsten Underperformance haben Nebenwerte langfristig die Blue Chips geschlagen. So hat zum Beispiel der MDax laut Deka mit einer jährlichen Performance von 9,6% seit 1988 eine herausragende Wertentwicklung erzielt und um 1,5 Prozentpunkte pro Jahr besser abgeschnitten als der große Bruder Dax. „Insgesamt ist die Bilanz des MDax beeindruckend“, sagt Schallmayer. „Die Aufholjagd des MDax zu neuen Höchstständen ist durch die Unternehmenszahlen mehr als gerechtfertigt und nur noch eine Frage der Zeit.“

Alles in allem stellen also Nebenwerte, und speziell deutsche und europäische Titel aus der zweiten und dritten Reihe, derzeit ein aussichtsreiches Segment dar. Für Anleger bieten sich dabei mehrere breit gestreute Aktienfonds an, denn bei Nebenwerten auf einen oder nur sehr wenige Titel zu setzen, ist extrem riskant. Natürlich bleibt die Performance von deutschen und europäischen Nebenwertefonds in den letzten Jahren hinter der von Produkten auf Standardwerte zurück. Doch haben diese Fonds in den guten Phasen zuvor eben die Blue Chips geschlagen und gezeigt, welch hohe Wertzuwächse mit Nebenwerten möglich sind.

Langfristig erfolgreich

Zu den besonders erfolgreichen deutschen Nebenwertefonds zählt der von den beiden früheren Platow-Finanzjournalisten Christoph Frank und Roger Peeters gesteuerte DWS Concept Platow. Der aktuell rund 270 Mill. Euro schwere Fonds hat über fünf Jahre eine Performance von 8,3% im Jahr und über zehn Jahre von 9,0% erzielt und liegt damit mit an der Spitze der Ranglisten.

Der Fonds investiert in Aktien mit Sitz in Deutschland und beinhaltet somit zum Teil auch Standardwerte. Basis ist ein von Frank selbst entwickeltes Aktienauswahlverfahren. Hinzu kommen Bilanzanalysen sowie Gespräche mit Vorständen und anderen Firmenkennern. Die zehn Kernpositionen des Fonds sind Münchener Rück, Talanx, Bechtle, Krones, KSB Vz., Hugo Boss, Hochtief, Fuchs St., Allianz und Vossloh.

Zu den bewährten und über die Jahre erfolgreichen Nebenwertefonds gehört auch der Lupus alpha Smaller German Champions. Der von Björn Glück und Jonas Liegel gesteuerte rund 650 Mill. Euro schwere Fonds hat über zehn Jahre eine überdurchschnittliche Performance von 8,6% im Jahr erzielt. Eine wesentliche Basis der Aktienauswahl sind auch hier persönliche Gespräche mit dem Management und Unternehmensbesuche vor Ort. Zu den zehn Top-Positionen zählen Bechtle, Carl Zeiss Meditec, Deutsche Lufthansa, Elmos Semiconductor, Fuchs Petrolub, die Gea Group, Gerresheimer, Hugo Boss, Krones und Siltronic.

Auf europäische Aktien mit mittlerer bis geringer Marktkapitalisierung ist der Metzler European Smaller Companies Sustainability ausgerichtet. Der 410 Mill. Euro schwere und von Lorenzo Carcano sowie Sebastian Junker gesteuerte Fonds hat auf Jahressicht eine Performance von 12,3% erzielt und kommt über zehn Jahre auf einen Wertzuwachs von 5,9% pro Jahr. Der breit diversifizierte Fonds ist auf Unternehmen fokussiert, die ein nachhaltig überdurchschnittliches Wachstum erzielen können und gleichzeitig nicht übermäßig teuer sind.

Der satte 1,5 Mrd. Euro schwere UniDeutschland XS ist auf Einzelwerte aus dem Mid-, Small- und Micro-Cap-Bereich fokussiert. Die größten Positionen sind aktuell Sixt Vorzüge, KSB Vorzüge, SAF-Holland, Energiekontor und Hypoport. Der Nebenwertefonds hat auf Jahressicht eine Performance von 12,7% gezeigt, aber über drei Jahre 7,9% pro Jahr verloren. Auf Sicht von zehn Jahren beträgt der Wertzuwachs 5,7% im Jahr.

Vier Sterne bei Morningstar

Mit dem Deka-Deutschland Nebenwerte hat auch die Fondsgesellschaft der Sparkassen ein Produkt auf kleinere und mittelgroße Unternehmen im Angebot. Die größten Positionen des aktiven Fonds sind Deutsche Lufthansa, Fresenius Medical Care, Gea, Delivery Hero und Knorr-Bremse. Auf Sicht von zehn Jahren hat der rund 280 Mill. Euro schwere Aktienfonds eine Performance von 6,7% im Jahr erzielt.

Auch der rund 780 Mill. Euro schwere Horizon Pan European Smaller Companies Fund von Janus Henderson ist ein Nebenwertefonds, der sich langfristig bewährt hat. Der Fonds investiert in kleinere Werte sowohl in der Eurozone als auch in Großbritannien. Kennzeichen des Fonds, der von Morningstar mit vier Sternen bewertet wird, ist eine sehr breite Streuung. Auf Sicht von fünf Jahren hat der Fonds eine Performance von 6,8% pro Jahr erzielt, über zehn Jahre beträgt der Wertzuwachs 8,6% im Jahr.