Zahlungsmoral

Creditreform sieht Gefahr steigender Zahlungsausfälle

Die Zahlungsmoral der deutschen Unternehmen verschlechtert sich. Im ersten Halbjahr wurden Rechnungen im Schnitt mit einem Verzug von mehr als zehn Tagen beglichen, wie Creditreform ermittelt hat.

Creditreform sieht Gefahr steigender Zahlungsausfälle

ab Köln

Das Zahlungsverhalten in Deutschland hat sich verschlechtert. Der durchschnittliche Zahlungsverzug im B2B-Geschäft hat sich im ersten Halbjahr auf 10,51 Tage erhöht, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform ermittelt hat. Zum Vergleich: Im zweiten Halbjahr 2021 wurden Rechnungen von Lieferanten und Kreditgebern im Schnitt mit einer Verspätung von 9,97 Tagen beglichen. „Viele Unternehmen haben mit erheblichen Kostensteigerungen zu kämpfen“, begründet Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform, die veränderte Zahlungsmoral und folgert, dass die Gefahr von Zahlungsausfällen in den vergangenen Monaten stark gestiegen ist. Insbesondere in den Industriesektoren habe sich das Zahlungsverhalten verschlechtert. Verschärft hat die Situation, dass die Kreditgeber ihre Zahlungsziele im ersten Halbjahr deutlich beschnitten hätten. Im Durchschnitt hatten die Schuldner 29,8 Tage zur Begleichung der Rechnung Zeit. Im zweiten Halbjahr 2021 waren es noch 30,71 Tage im Schnitt. Die Kürzung des Zahlungsziels sei ein Mittel, um die Gefahr von Zahlungsausfällen zu minimieren, sagt Hantzsch. Mit Kürzungen der Zahlungsziele waren vor allem Rechnungsempfänger aus Einzelhandel, Metall- und Elektrogewerbe sowie im Verkehrsgewerbe konfrontiert.

Vor allem Kleinunternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten gehören zunehmend zu den säumigen Zahlern. Auf sie entfielen im Halbjahr 26,1(23,2) % des offenen Rechnungsbestands. Der Zahlungsverzug von kleineren Unternehmen betrug im Halbjahr 12,08 Tage, bei Großkunden sind es 9,62 Tage.

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