Internationale Bedeutung des Euro stagniert
ms Frankfurt
Der Euro hat im vergangenen Jahr seine Stellung als zweitwichtigste Währung hinter dem Dollar behauptet – aber ohne große Fortschritte in Sachen weltweite Nutzung zu erzielen. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten jährlichen Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) zur internationalen Nutzung des Euro hervor. Um die Bedeutung des Euro zu steigern, brauche es eine weitere Vertiefung der Währungsunion inklusive einer Kapitalmarktunion, so die EZB.
Die Debatte über die internationale Bedeutung hat in den vergangenen Jahren an Brisanz gewonnen. Die Europäer wollen die Rolle des Euro stärken. Hintergrund ist, dass die USA den Dollar immer wieder als Waffe eingesetzt haben. Zudem gilt die Dominanz des Dollar vielen Beobachtern als mindestens mitverantwortlich für viele Finanzkrisen seit den 1970er Jahren. Der Euro hat es seit 1999 nie geschafft, den Dollar ernsthaft herauszufordern. In der Euro-Schuldenkrise kehrten ihm viele Investoren den Rücken. Davon hat er sich bislang kaum erholt.
Die EZB hatte sich 2019 von ihrer Politik der Neutralität gegenüber der internationalen Bedeutung des Euro verabschiedet. 20 Jahre war sie dem Motto gefolgt, die Internationalisierung der Gemeinschaftswährung weder zu forcieren noch zu blockieren. Jetzt redet sie einer wichtigeren Rolle des Euro auf der Weltbühne das Wort und unterstützt entsprechende Initiativen der EU-Kommission. Einige Euro-Notenbanker sehen auch den von der EZB vorangetriebenen digitalen Euro als einen wichtigen Schritt auf diesem Weg.
Im Jahr 2021 stagnierte die internationale Nutzung des Euro nun laut EZB mehr oder weniger. Verschiedene relevante Indikatoren zusammengefasst blieb laut EZB-Bericht der Anteil der Gemeinschaftswährung im weltweiten Währungssystem mit rund 19% stabil. In der Spitze hatte der Anteil im Jahr 2005 bei knapp 25% gelegen.
Bei den weltweiten Währungsreserven kam der Euro 2021 auf einen Anteil von 20,6% – ein leichter Anstieg von 0,5 Prozentpunkten. Unangefochtene Reservewährung Nummer 1 blieb der Dollar mit einem Anteil von etwa 59%. Bei den internationalen Bondemissionen nahm der Anteil der in Euro begebenen Titel um annähernd drei Punkte auf 24,6% zu (siehe Grafik).
„Die internationale Rolle des Euro wird in erster Linie unterstützt durch eine vertiefte und vollendete Wirtschafts- und Währungsunion, einschließlich der Weiterentwicklung der Kapitalmarktunion, im Zusammenhang mit der Verfolgung einer soliden Wirtschaftspolitik im Euroraum“, heißt es im Vorwort des Berichts von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Weitere Anstrengungen zur Vollendung der Währungsunion seien nötig. Speziell bei einer gemeinsamen Fiskalpolitik und bei der Bankenunion gibt es aber Konflikte.