Klimaschutz

Airlines setzen auf nachhaltigen Treibstoff

IATA-Chef Willie Walsh glaubt im Gegensatz zu Airbus nicht, dass Wasserstoff für das Ziel, 2050 auf null CO2-Emissionen zu kommen, eine große Rolle spielen wird.

Airlines setzen auf nachhaltigen Treibstoff

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Auf dem Weg zum emissionsfreien Fliegen setzt die Luftverkehrsindustrie vor allem auf nachhaltigen SAF-Flugzeugtreibstoff (Sustainable Aviation Fuel). „SAF ist eine Drop-in-solution“, sagt Hemant Mistry, der beim Branchenverband IATA (International Air Transport Association) für Energiewandel zuständig ist. „Wasserstoff hat Potenzial, aber nicht als sofortige Lösung.“

Ähnlich äußert sich IATA-Chef Willie Walsh, ein ehemaliger Pilot und früherer British-Airways-Chef. „Wasserstoff wird auf dem Weg zur Nullemission 2050 keine große Rolle spielen“, ist er überzeugt. Im Gegensatz zum europäischen Flugzeugbauer Airbus, der ein Wasserstoffflugzeug entwickeln will, das 2035 seinen Dienst aufnehmen soll.

„Im Gegensatz zu Airbus bin ich realistisch“, sagt Walsh im Gespräch mit Journalisten. Die große Herausforderung bestehe darin, dass viele Produzenten von grünem Wasserstoff benötigt würden. Ab 2040/45 könnte Wasserstoff dann aber eine wichtigere Rolle auf dem Weg zum emissionsfreien Fliegen spielen, räumt Walsh ein. In der Zeit bis dahin sei SAF verfügbar. Allerdings zumindest derzeit ebenfalls nicht in ausreichenden Mengen. So schätzt der Branchenverband, dass SAF-Treibstoff 65 % der CO2-Verminderung ausmachen wird, um das Ziel, 2050 auf null CO2-Ausstoß zu kommen, zu erreichen. Dafür wäre seinen Angaben zufolge 2050 eine Produktionskapazität von 450 Mrd. Litern jährlich notwendig. Zum Vergleich: In diesem Jahr dürfte die SAF-Produktion laut IATA mindestens 300 Mill. Liter betragen.

Das entspräche immerhin einem Anstieg von 200 %. Bis jetzt ist SAF nach Angaben des Verbandes bereits bei mehr als 450 000 kommerziellen Flügen zum Einsatz gekommen. Immer mehr Fluggesellschaften seien dabei, entsprechende Abkommen mit Produzenten zu unterzeichnen, erklärte er. Das sei ein klares Signal, dass größere Mengen an SAF benötigt würden. Allerdings ist SAF teurer als herkömmliches Kerosin. Die Kosten für klimafreundlicheres Fliegen dürften deshalb auch zu höheren Ticketpreisen führen, meint IATA-Chef Walsh.

Auch wenn sein Verband auf SAF setzt, hält er Vorgaben der Politik, eine bestimmte Menge des nachhaltigen Treibstoffes beizumischen, für falsch. Wenn er nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehe, mache das keinen Sinn, sagt er. Er plädiert stattdessen für Anreize, die SAF-Produktion zu steigern.

Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, dass Treibstoffhersteller Kerosin ab 2025 zunächst 2 %, ab 2030 dann 5 % und ab 2050 sogar 63 % SAF beimischen müssen. Das Europäische Parlament will noch weitergehen und 85 % für 2050 vorschlagen. Eine Einigung mit den EU-Staaten darüber steht aus.