Aktivistischer Investor setzt sich bei Gerresheimer mit CFO-Wechsel zügig durch
Aktivistischer Investor setzt sich bei Gerresheimer durch
Active Ownership Capital erzwingt CFO-Wechsel – Triton-Manager startet am Montag
cru Frankfurt
Bei Gerresheimer beginnt ein Großreinemachen. Erst vor neun Tagen war der Einstieg von Active Ownership Capital (AOC) bei dem angeschlagenen Pharmaverpackungskonzern bekannt geworden. Schon hat sich der kleine aktivistische Investor aus Frankfurt mit seiner Forderung zur Führungsspitze durchgesetzt: Gerresheimer-Finanzvorstand Bernd Metzner werde das Unternehmen zum 31. August 2025 auf eigenen Wunsch verlassen, um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu stellen, teilte der Düsseldorfer Konzern am Freitag mit. Sein Nachfolger wird am 1. September Wolf Lehmann, bisher Operating Partner der Private-Equity-Firma Triton.

Quelle: Gerresheimer
Metzner stand nach dem gescheiterten Verkauf von Gerresheimer an Finanzinvestoren in der Kritik. Erst hatte sich KKR nach längeren Gesprächen wieder abgewendet, dann auch Warburg Pincus und KSP. Gerresheimer-Aufsichtsratschef Axel Herberg hatte zeitweise als Warburg-Pincus-Berater gearbeitet. Mitte Juli erteilte der Vorstand aber allen Bietern eine Absage. Angeblich soll der Gerresheimer-Vorstand bis zu 90 Euro je Aktie als Übernahmepreis von den Finanzinvestoren verlangt haben.
Blatt überreizt
Damit wurde das Blatt offenbar überreizt. Wenig später folgten obendrein eine Senkung der Prognose für dieses Jahr und der mittelfristigen Prognose. Dadurch ging Vertrauen am Kapitalmarkt verloren. Der Kurs von Gerresheimer lag am Freitag zeitweise mit 1,8% im Plus bei 43,22 Euro. Doch seit Oktober 2024 hat sich die Marktkapitalisierung halbiert auf 1,5 Mrd. Euro. Dabei hätte Gerresheimer eigentlich hervorragende Perspektiven gehabt: Das Unternehmen mit 13.000 Beschäftigten hatte, finanziert durch eine Kapitalerhöhung im April 2023, die Produktion vorbefüllbarer Glasspritzen ausgebaut, die wegen des Booms von Abnehm-Medikamenten wie Wegovy stark nachgefragt werden. Erfüllt haben sich die Hoffnungen der Investoren nur teilweise. Angesichts des Vertrauensverlusts am Kapitalmarkt musste laut AOC auch die Position von Finanzvorstand Metzner hinterfragt werden.
Sein Nachfolger Lehmann, der unter anderem den im MDax enthaltenen Stahlstaub-Recycler Befesa für Triton an die Börse führte, soll nun den Verkauf weiterer Konzernteile sowie ein Sparprogramm vorantreiben. So wird die Behälterglassparte Moulded Glass verkauft, die rund 30% des Umsatzes macht. Der für den 15. Oktober geplante Kapitalmarkttag wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. „Wir begrüßen den zügigen Wechsel im Vorstand von Gerresheimer und die Berufung von Wolf Lehmann zum neuen CFO“, der ausgewiesene Finanzexpertise habe, sagte ein AOC-Sprecher. Der Aktivist ist mit 5,3% und Zugriff auf weitere 1,9% zweitgrößter Aktionär hinter Goldman Sachs Asset Management.
Bekannt durch Stada-Engagement
AOC wurde erstmals bekannter, als der Investor Stada aufmischte, bis der Generikakonzern 2017 an Bain und Cinven verkauft wurde. Hinter AOC steht der frühere Triton-Partner Florian Schuhbauer. In Deutschland ist AOC am Lebensmittelversender Hellofresh und am Personalvermittler Amadeus Fire beteiligt.