Anleger verlieren Glauben an Home24 und Westwing

Kursverfall hält an - Wachstum der Online-Möbelhändler bleibt hinter Erwartungen zurück

Anleger verlieren Glauben an Home24 und Westwing

Von Helmut Kipp, FrankfurtMit großen Ambitionen sind die Online-Möbelverkäufer Home24 und Westwing am Aktienmarkt gestartet. Doch nach rund einem Jahr gleicht die Bilanz an der Börse einem Desaster. Der Kursverfall der beiden Aktien scheint kein Ende zu finden. Bei Home24 sind im Vergleich zum IPO-Preis 87 % des Werts verpufft, bei Westwing 90 %. Das zeigt: Investoren haben den Glauben an die beiden Unternehmen, die unter den Fittichen des Start-up-Finanzierers Rocket Internet entwickelt wurden, verloren. Der Börsenwert unterschreitet mittlerweile die 100-Mill.-Euro-Marke deutlich. Home24 kommt noch auf 81 Mill. Euro Marktkapitalisierung, Westwing auf 54 Mill. Euro. Auf Bankenseite waren in beiden Fällen Berenberg und Citi federführend beim IPO dabei, bei Home24 außerdem Goldman Sachs.Der Kursabsturz hängt mit operativen Enttäuschungen zusammen. So blieb das Wachstum hinter den Markterwartungen zurück. Ähnliches gilt für die Ergebnisse. Beide Konzerne schreiben tiefrote Zahlen.Die Mitte Juni 2018 zu 23 Euro emittierten Home24-Aktien gaben zunächst ein fulminantes Debüt. Mit der einen Monat später veröffentlichten Umsatzwarnung kam es zum ersten Knick. Schuld war nach Firmenangaben das damals ungewöhnlich warme Wetter, das im zweiten Quartal 2018 zu einer geringeren Nachfrage für große Möbel geführt habe. Zunächst war von einer saisonalen Verschiebung die Rede, doch bald wurde erkennbar, dass die 2018er Prognose von währungsbereinigt rund 30 % Umsatzwachstum nicht zu halten ist. Zumal auch die Umstellung auf ein neues ERP-System die Verkäufe beeinträchtigte. Schließlich blieb das Wachstum 2018 mit währungsbereinigt 18 % sogar hinter dem zwischenzeitlich gesenkten Ausblick zurück. Und der um Sonderfaktoren bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), der im Jahr 2017 bei 21,8 Mill. Euro lag, schoss auf 40 Mill. Euro hoch. Damit machte das Minus 13 % des Umsatzes aus, verglichen mit 8 % im Jahr zuvor. Im ersten Quartal 2019 erreichte der Verlust 16 % der Erlöse nach 6 % im Vorjahreszeitraum. Die Resultate des zweiten Quartals sollen am 3. September bekannt gemacht werden. Immerhin hält Home24 an der Prognose fest, bis Ende 2019 auf bereinigter Ebitda-Basis an die Gewinnschwelle heranzukommen. Dabei baut das Management darauf, dass die Anlaufinvestitionen Wachstum und Effizienz voranbringen. Probleme in ItalienDie seit Oktober 2018 börsennotierte Westwing schrieb im vergangenen Jahr beim bereinigten Ebitda schwarz, fiel aber im ersten Halbjahr 2019 in den roten Bereich zurück. Im Mai wurde die Prognose für den Umsatzanstieg in diesem Jahr auf 6 bis 12 % gekappt. Der alte Ausblick sah ein Wachstum etwa auf dem Niveau des Vorjahres von 16 % vor (mit einer Spanne von 2 bis 3 Prozentpunkten). Das bereinigte Ebitda wurde in der Bandbreite von minus 1 % bis plus 1 % des Umsatzes angesiedelt. Inzwischen geht das auf Produkte für die Inneneinrichtung spezialisierte E-Commerce-Unternehmen davon aus, am unteren Ende dieser Bandbreiten abzuschließen.Die 2011 gegründete Westwing verkauft neben Möbeln auch Accessoires, Teppiche, Leuchten oder Küchenartikel. Ungewöhnlich für ein Wachstumsunternehmen: Die Erlöse gingen im ersten Halbjahr geringfügig auf 119,5 Mill. Euro zurück. Kummer macht vor allem das Geschäft in Italien. Zudem sei die Neukundengewinnung unter den Erwartungen geblieben, und Verzögerungen beim zwischenzeitlich abgeschlossenen Lagerumzug von Berlin nach Posen in Polen hätten belastetet. Das führte zu 8,8 Mill. Euro Verlust beim adjustierten Ebitda. Ähnlich wie Home 24 baut auch Westwing auf die zweite Jahreshälfte. Die grundlegenden Ursachen für die Wachstums- und Profitabilitätsprobleme seien behoben, versicherten die Münchener Mitte August im Quartalsbericht. Gründer und CEO Stefan Smalla geht davon aus, bis Ende 2019 zu profitablem Wachstum zurückzukehren.