Aramco lockt mit hoher Dividende
br Frankfurt – Der weltgrößte Ölkonzern Saudi Aramco will Investoren mit einer Basisdividende von 75 Mrd. Dollar im kommenden Jahr locken. Die Dividende für 2020 sei Teil einer Strategie wachsender Dividendenzahlungen, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Der Staatskonzern würde mit dieser Dividendenzahlung mehr von seinem Jahresgewinn ausschütten, als Dax-Konzerne wie Bayer oder BASF an der Börse derzeit wert sind.Außerdem wolle Aramco weniger auf Expansion setzen, um so einen höheren Cash-flow zu generieren. Die im vergangenen Monat angegriffene Ölförderanlage, die zur Verschiebung des geplanten Börsengangs geführt hatte, sei mittlerweile wieder voll funktionsfähig. Saudi-Arabien hat zudem angekündigt, die Steuern und Förderlizenzgebühren für Aramco zu senken. Nach Einschätzung von Experten sind die angehobenen Dividendenaussichten und Kostensenkungen ein Versuch, neue Investoren anzulocken, um die angestrebte Bewertung von 2 Bill. Dollar beim IPO zu erreichen.Der saudische Kronprinz Mohammad bin Salman plant, mit dem IPO bis zu 100 Mrd. Euro einzunehmen, um die Wirtschaft des Landes zukunftsfähig (und somit weniger abhängig von Ölexporten) zu machen. Damit wäre dieses IPO das größte aller Zeiten. Branchenkenner halten die angestrebte Bewertung für überzogen. Zwar gilt Aramco mit einem Reingewinn von 111 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr als weltweit profitabelster Konzern. Allerdings wird durch die Energiewende mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen und dem Trend vom Benziner zum Elektroauto die Abhängigkeit von Öl verringert. Saudi Aramco sei darüber hinaus von territorialen Gefahren stärker bedroht als die börsennotierten ExxonMobil und Shell. Entsprechend gehen Experten lediglich von einer Bewertung zwischen 1 Bill. Dollar und 1,5 Bill. Dollar aus. Der Börsengang könnte dennoch schneller kommen als zuletzt nach dem Drohnenangriff erwartet.Bin Salman hatte am Wochenende noch von einem “totalen Kollaps der Weltwirtschaft” gesprochen, sollte es zu einem Krieg zwischen Saudi-Arabien und dem benachbarten Iran kommen. Entsprechend hatten Experten nicht mehr damit gerechnet, dass der nach den Angriffen auf die Ölfelder verschobene Börsengang noch in diesem Jahr stattfinden werde. Nun hieß es aus Insiderkreisen indes, dass ein neuer Anlauf für November geprüft werde.Sollte die in Aussicht gestellte Dividende so ausgezahlt werden, könnte die Rendite je nach Bewertung dennoch hinter der anderer großer Öl-Unternehmen zurückbleiben. Bei der erhofften Marktkapitalisierung von 2 Bill. Dollar käme Aramco auf 3,75 %. Investoren bei Shell bekamen zuletzt 6,22 %. Exxon zahlte eine Dividendenrendite von 4,9 %.