Health-Tech

Arztpraxen-Software-Macher Doctorly holt 10 Mill. Dollar

Das Berliner Health-Tech-Start-up Doctorly, das die Digitalisierung in Arztpraxen mit einer cloudbasierten Verwaltungssoftware vorantreiben will, hat in einer Series-A-Finanzierungsrunde 10 Mill. Dollar eingesammelt. Zu den Investoren zählen unter...

Arztpraxen-Software-Macher Doctorly holt 10 Mill. Dollar

Das Berliner Health-Tech-Start-up Doctorly, das die Digitalisierung in Arztpraxen mit einer cloudbasierten Verwaltungssoftware vorantreiben will, hat in einer Series-A-Finanzierungsrunde 10 Mill. Dollar eingesammelt. Zu den Investoren zählen unter anderem das börsennotierte kanadische Healthtech-Unternehmen Well Health Technologies, das Investmentvehikel des Milliardärs Li Ka-shing aus Hong Kong, Horizons Ventures, sowie bestehende Geldgeber wie etwa The Delta aus Berlin oder Speedinvest und Uniqa Ventures aus Wien.

Doctorly-Mitgründer und -CEO Samir El-Alami sieht in der Finanzierungsrunde eine „starke Bestätigung unserer Vision eines deutlich besser digitalisierten und effizienten Gesundheitssystems, das von exzellentem Kunden-Feedback und einer sehr positiven Umsatzdynamik gestützt wird“. Für El-Alami ist es nicht das erste Start-up, mit dem er versucht, eine Branche mit hohem Digitalisierungsbedarf umzukrempeln. Er gehört auch zu den Gründern des Insurtechs One, das seit 2021 unter dem Namen Wefox Insurance firmiert.

Im medizinischen Bereich dürfte es ihm allerdings so schnell nicht langweilig werden. Zwar sieht sich mittlerweile mehr als die Hälfte aller Arztpraxen in Deutschland gegenüber digitalen Innovationen (eher) aufgeschlossen, wie aus dem jüngsten Praxisbarometer Digitalisierung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervorgeht. Fast alle Praxen sind zudem inzwischen auch an die Telematikinfrastruktur angeschlossen, dem zentralen Netz im Gesundheitswesen. Doch würden noch immer „fast alle Arztpraxen ein lokales, serverbasiertes Netzwerk und Papier sowie physische Festplatten nutzen, um Patientendaten zu speichern und zu übermitteln“, sagt El-Alami. In Deutschland sei die Kern-Software für die Mediziner zudem noch veraltet. Das führe dazu, dass laut der KBV niedergelassene Praxen in Deutschland durchschnittlich 61 Werktage mit administrativen, sich teilweise immer wiederholenden Aufgaben verbringen. Leidtragende seien die Patienten und das gesamte erweiterte Gesundheitssystem.

Mit dem Betriebssystem der 2018 gegründeten Doctorly soll sich der Verwaltungsaufwand nach Angaben des Unternehmens halbieren. Man wolle „die Praxen dazu befähigen, Vorteile aus dem Cloud Computing und entsprechender Technologien zu schöpfen“, wie es hieß. Es sei das erste VC-gestützte Unternehmen, das über sämtliche regulatorischen Genehmigungen für den Verkauf seiner Software in Deutschland verfüge.

Das Geld soll nun unter anderem in das beschleunigte Wachstum innerhalb Deutschlands fließen. Dabei trifft Doctorly hierzulande auf den französischen Rivalen Doctolib, einen vor allem in der Corona-Pandemie bekanntgewordenen Anbieter für die Online-Buchung von Arztterminen, der bereits 2013 gegründet wurde und 2019 Einhorn-Status erlangte. Im vergangenen Jahr, in dem die VC-Investitionen in europäische Healthtech-Start-ups laut Pitchbook trotz Wirtschaftsabschwung nur geringfügig auf etwa 5 Mrd. Euro eingebrochen sind, sammelte Doctolib in einer Series-F 500 Mill. Euro ein und kam damit auf eine Bewertung von 5,8 Mrd. Euro. Mit dem Geld wollen die Franzosen bald eine eigene komplette Software zur Praxisverwaltung anbieten.

Die beiden Start-ups dürften aber nicht nur bei der Suche nach Aufträgen von Arztpraxen in Konkurrenz zueinander treten, sondern auch bei der Anwerbung von Personal. In ihren Mitteilungen zu den jeweiligen Finanzierungsrunden kündigten beide Firmen an, ihre Belegschaft demnächst aufstocken zu wollen.

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