Minibonds

Bei Eyemaxx droht Ungemach

Das Immobilienunternehmen Eyemaxx, das in seiner Finanzierung stark auf Minibonds setzt, will Anleihebedingungen ändern. Gläubiger sollen einer Senkung der Mindesteigenkapitalquote zustimmen.

Bei Eyemaxx droht Ungemach

hek Frankfurt – Abschreibungen in der Projektentwicklung bringen das Immobilienunternehmen Eyemaxx Real Estate in Bedrängnis. Der hohe Verlust schmälert das Eigenkapital, so dass die in Anleihebedingungen festgeschriebene Mindesteigenkapitalquote in Gefahr gerät. Nun sollen die Gläubiger einer Änderung der Bedingungen zustimmen. Die Frist dafür ist am Donnerstag (8. April) um Mitternacht abgelaufen.

Betroffen sind drei börsennotierte Unternehmensanleihen, die 2018, 2019 und 2020 begeben wurden und jeweils fünf Jahre laufen. Die Volumina gibt das Unternehmen auf der Homepage mit 55 Mill. Euro, 50 Mill. Euro und bis zu 30 Mill. Euro an. In Summe geht es also um maximal 135 Mill. Euro. Die Schuldverschreibungen sind jeweils mit einem Zinskupon von 5,5% ausgestattet.

Bei den Anleihen 2018/2023 und 2019/2024 ist eine Mindesteigenkapitalquote im Konzern von 20% festgelegt, bei der Anleihe 2020/2025 von 15%. Bei Nichterreichen der Quote haben die Investoren ein Sonderkündigungsrecht. Ursprünglich wollte Eyemaxx die Mindestquote ganz streichen. Damit wäre das Sonderkündigungsrecht entfallen. Dieses Ansinnen stieß aber bei Gläubigern auf Widerstand. Daraufhin ruderte der Vorstand zurück und schloss sich den Gegenanträgen an.

Nunmehr geht es darum, nur bei den beiden älteren Anleihen die Mindesteigenkapitalquote auf 15% zu senken, so dass dieser Wert nun bei allen drei Minibonds greift. Wird die Mindestquote unterschritten und nicht binnen zwölf Monaten wieder aufgeholt, wird ein Zinsaufschlag von 0,5 Prozentpunkten im Jahr fällig. Fällt die Eigenkapitalquote sogar unter 10%, muss das Unternehmen jeweils einen sogenannten „gemeinsamen Vertreter“ bestellen. Aus dem Halbjahresabschluss per 30. April 2020 ergibt sich eine Eigenkapitalquote des Konzerns von 20,6%.

Die Abstimmung wurde schriftlich vorgenommen, also ohne Gläubigerversammlung. Investoren sollten ihr Votum an einen Notar schicken.

Hotelbereich belastet

Parallel versucht Eyemaxx, die Finanzlage durch Ausgabe neuer Aktien zu stärken. Derzeit läuft eine Kapitalerhöhung, die 3,7 Mill. Euro in die Kasse bringen soll. Es werden bis zu 1,25 Millionen neue Anteile ausgegeben, der Preis wurde auf 3 Euro festgelegt. Für fünf alte Aktien können Investoren eine neue erwerben, die Frist dafür läuft bis 20. April. Nicht gezeichnete Anteile sollen über eine Privatplatzierung untergebracht werden. Der Aktienkurs ist seit dem Januar-Hoch von 6,95 Euro auf 2,90 Euro im Tief abgestürzt, hält sich derzeit aber mit 3,20 Euro über dem Ausgabepreis. 2017 notierte die Aktie zeitweise sogar über 15 Euro. Damit bringt Eyemaxx an der Börse noch mickrige 20 Mill. Euro auf die Waage.

Auch die Kurse der Anleihen sind im Februar/März 2021 abgestürzt, haben sich aber zuletzt erholt. Die beiden älteren Bonds notieren bei 70% beziehungsweise 73%, die Anleihe 2020/2025 bei 85%.

Der Jahresabschluss 2019/20 lässt weiter auf sich warten. Im Februar wurde die Veröffentlichung auf die zweite Märzhälfte verschoben. Doch auch dieser Termin war nicht zu halten, was nicht zuletzt auf Auffassungsunterschiede über die Bewertungen der Immobilienprojekte zurückgeht. Strittig ist, wie stark die Ansätze infolge der Corona-Pandemie reduziert werden müssen. Sachverständige hätten deutlich niedrigere Werte ermittelt, doch die Wirtschaftsprüfer kämen zu „noch konservativeren Momentaufnahmen“, teilt das Management mit. Abhängig von den endgültigen Bewertungen wird die Spanne für den Jahresverlust zwischen 28 Mill. und 35 Mill. Euro angesiedelt. Zudem sollen die Abstimmungsergebnisse über die Anleihebedingungen abgewartet werden, so dass sich der Jahresabschluss nach Firmenangaben bis in den Mai verzögert.

Seit Ende des Geschäftsjahres am 31. Oktober 2020 habe sich die Corona-Lage nochmals verschärft. „Entsprechend musste es zu weiteren negativen Anpassungen bei den Projektbewertungen kommen“, schreibt der Vorstand in seiner Stellungnahme. Betroffen seien gewerbliche Projektentwicklungen vor allem im Hotelbereich. Mit der Änderung der Anleihebedingungen solle verhindert werden, „dass Eyemaxx den kurzfristigen Schwankungen von Projektbewertungen beziehungsweise deren Auswirkungen auf die Eigenkapitalquote ausgeliefert ist“, so CEO Michael Müller. Eyemaxx habe sieben Anleihen pünktlich zurückgezahlt. Zuletzt wurde im vergangenen Monat ein Bond getilgt. Dieser war mit 7,0% zu verzinsen, das ausstehende Volumen betrug zuletzt 19,5 Mill. Euro.

Die Projektpipeline gibt Eyemaxx mit mehr als 1 Mrd. Euro an. Außerdem tritt das Unternehmen als Bestandshalter auf. Größte Aktionär ist Gründer und CEO Müller (27,4%). Der Streubesitz wird mit 53,5% angegeben. Gehandelt wird die Aktie im General Standard der Frankfurter Börse. 2019 startete Eyemaxx ein Zweitlisting an der Wiener Börse.