Beruhigungspille für die Gläubiger

Moody's rechnet bei Tui mit Erlösen von 500 Mill. Euro aus Hotelverkäufen - Ratingausblick nun stabil

Beruhigungspille für die Gläubiger

hei Frankfurt – Mit einer Verschuldung von 10,8 Mrd. Euro auf Basis der Berechnungen von Moody’s bleibt Tui auch nach einer Kapitalerhöhung um 500 Mill. Euro nicht auf Rosen gebettet. Dennoch hat die Ratingagentur, die das Tui-Corporate-Family-Rating mit “Caa1” tief in der Ramschkategorie ansiedelt, den Ausblick auf “stabil” angehoben, nachdem die Hauptversammlung kürzlich grünes Licht für das am 2. Dezember verkündete dritte Rettungspaket für den Konzern gegeben hatte. Die beschlossene Kapitalerhöhung ist für den von der Corona-Pandemie schwer getroffenen Reiseriesen von zentraler Bedeutung, “auch aus der Sicht der Bondholder”, wie Vitali Morgovski, Tui-Lead-Analyst bei Moody’s, der Börsen-Zeitung sagt, weil damit die Rückzahlung einer 300-Mill.-Euro-Anleihe im Herbst gesichert erscheint. Die staatlichen Hilfskredite dürfen dafür nicht verwendet werden.Nach finanziellen Stabilisierungsmaßnahmen über insgesamt 4,8 Mrd. Euro – davon 500 Mill. Euro über eine Bezugsrechtsemission – geht Moody’s davon aus, dass der Reisekonzern eine Insolvenz damit abwenden konnte – auch wenn das geschäftliche Umfeld zumindest in der ersten Jahreshälfte von 2021 herausfordernd bleibe. Die Ratingagentur geht nicht davon aus, dass das operative Geschäft von Tui sich vor 2022 auf ein Vorkrisenniveau erhöht. Den Mittelabfluss für 2020 beziffert der Analyst mit 3,6 Mrd. Euro, so dass “ein Restbetrag von 1,2 Mrd. Euro als Polster für dieses Jahr verbleibt”.Dieser sollte ausreichen, wenn zumindest über die Sommermonate Reisen in nennenswertem Umfang stattfinden können. Das Tui-Management hat wiederholt betont, dass die Nachfrage hochschnellt, sobald Reiseziele geöffnet würden. Die Reiselust sei ungebrochen. Morgovski erwartet allerdings dennoch, dass die Tui weitere Mittel durch Asset-Verkäufe eintreibt. Konzernchef Fritz Joussen hat sich zwar gegen “Notverkäufe” verwahrt, aber das Portfolio von 355 Hotels bietet nach Einschätzung von Morgovski Potenzial, das der Konzern nutzen muss. “Falls die Tui 40 % ihrer eigenen Hotels, darunter einige Kronjuwelen, zu Geld macht, sollte einiges zusammenkommen”, so der Analyst.Das Management hat offenbar 400 bis 500 Mill. Euro an Verkaufserlösen für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Wertvolle Hotelimmobilien seien noch immer gut verkäuflich, schätzt die Tui, im Gegensatz zu Kreuzfahrtschiffen oder Flugzeugen, für die es derzeit kaum einen Markt gebe. Mittelfristig ist Morgovski trotz der epochalen Krise von schwer vorhersagbarer Dauer überzeugt, dass der Reiseriese sich erholen wird. Positiv bewertet er die breite geografische Aufstellung, die Diversifizierung in Hotels und Kreuzfahrten, die durch eine hohe Vertriebskraft sowohl im Internet als auch durch örtliche Reisebüros gestützt werde. Letztere hätten auch in Zeiten des Internets keineswegs ausgedient, glaubt Morgovski.