BHP warnt vor den Folgen des Handelsstreits

CEO des Rohstoffkonzerns macht widersprüchliche Angaben zu den bisherigen Auswirkungen - Ergebnis verfehlt Konsensschätzung

BHP warnt vor den Folgen des Handelsstreits

BHP, der weltgrößte Rohstoffkonzern, hat mit seinen Jahreszahlen enttäuscht. Zur Verdoppelung des Überschusses kam es, weil im Vorjahr viele Sondereffekte belastet hatten. Dagegen wirkten Preissteigerungen bei Eisenerz und Öl nicht so positiv wie erwartet. CEO Andrew Mackenzie äußerte sich widersprüchlich zu den Auswirkungen des US-chinesischen Handelsstreits. md Frankfurt – Die britisch-australische Rohstoffgruppe BHP hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 (30. Juni) den Nettogewinn auf bereinigter Basis um 2 % auf 9,12 Mrd. Dollar gesteigert. Das war zwar der höchste Überschuss seit fünf Jahren, doch waren Analysten von mehr ausgegangen. Insbesondere vom Eisenerzsegment hatte sich der Markt mehr erhofft. Zudem belasteten höhere Steuerquoten in Australien und Chile. In einem schwachen Umfeld gab der Kurs der BHP-Aktie in London um 2,6 % auf 1 735 Pence nach. Der in der Bilanz ausgewiesene Jahresüberschuss nach Anteilen Dritter liegt den Angaben zufolge bei 8,3 (i. V. 3,7) Mrd. Dollar. Während im Vorjahr Sondereffekte wie Goodwill-Abschreibungen, die US-Steuerreform und Kosten infolge des Dammbruchs 2015 im brasilianischen Samarco das Ergebnis mit insgesamt 5,23 Mrd. Dollar belastet hatten, summierten sich die Sondereffekte 2018/19 nur auf 818 Mill. Dollar. So traten das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), das wie im Vorjahr bei 23,2 Mrd. Dollar landete, und das ausgewiesene operative Ergebnis von 16,1 (16,0) Mrd. Dollar auf der Stelle. Feste Eisenerz- und Ölpreise Insgesamt positiv auf das Konzernergebnis wirkten sich gestiegene Rohstoffnotierungen aus. So sprang der Preis für Eisenerz im Jahresdurchschnitt um 18 %, für Flüssigerdgas (LNG) um 17 % und für Öl um 10 %. Auf der anderen Seite sank der Preis für Kupfer um 13 %, und auch Kohle wurde im Schnitt billiger. Entsprechend entwickelten sich die operativen Ergebnisse (Ebitda) auf vergleichbarer Basis in den Segmenten Eisenerz (+25 %) sowie Öl und Gas (+14 %) aufwärts und in den Segmenten Kupfer (-30 %) und Kohle (-7,5 %) abwärts (siehe Grafik). Zudem profitierte BHP von einer höheren Produktion und dem eingeschlagenen Sparkurs. Der Umsatz legte von 43,1 Mrd. auf 44,3 Mrd. Dollar zu. Gebremst wurde die Geschäftsentwicklung von ungünstigen Wetterverhältnissen, Kapazitätsproblemen und ungeplante Produktionsausfällen – etwa in Australien.Der Handelsstreit zwischen den USA und China habe bislang keine Auswirkungen auf die Nachfrage nach Rohstoffen von BHP gehabt, wird Andrew Mackenzie in einer Mitteilung zitiert. Der CEO warnte aber vor den Risiken. Die Handelsspannungen dämpften die Aussichten für das Wachstum der Weltwirtschaft ein wenig, sagte er in einer Telefonkonferenz. “Letztendlich (. . .) wird sich dies auf die Nachfrage nach unseren Produkten auswirken.” In einem Gespräch mit dem Radiosender BBC 4 räumte Mackenzie allerdings ein, dass die Nachfrage aus China, wohin BHP Eisenerz und andere Rohstoffe liefere, “etwas nachgelassen hat; aber bis zu einem gewissen Grad haben die Impulse, die China in seine Wirtschaft gesetzt hat, um einigen der potenziellen und realen Auswirkungen des Handelsstreits mit den Vereinigten Staaten entgegenzuwirken, tatsächlich zu einer erhöhten Nachfrage nach unseren Produkten geführt”. In erster Linie gehe es um die Nachfrage nach Kupfer, Eisenerz und Kohle.Nach Einschätzung von Mackenzie herrscht auf den Rohstoffmärkten große Nervosität. Der BHP-Chef erwarte nicht, dass die chinesische Stahlnachfrage im nächsten Jahr steigen wird, da die Infrastrukturausgaben stabil sind und die Konjunktursignale aus den Industrieländern nachlassen. Er verwies auch auf den zunehmenden Kostendruck, der sich sowohl bei Erdöl als auch im Kohlesegment von BHP bemerkbar mache.BHP kündigte eine Schlussdividende für 2018/19 von 78 Cent an, so dass sich die Ausschüttungen im Gesamtjahr auf 2,20 (0,98) Dollar addieren, wobei darin eine Sonderausschüttung von 1,02 Dollar enthalten ist. Hintergrund ist der Ausstieg aus dem Schieferölgeschäft in den USA. BHP hatte die verlustreichen Aktivitäten für 10,4 Mrd. Dollar an den britischen Ölkonzern BP verkauft (vgl. BZ vom 28.7.2018). In dem Geschäftsfeld hatte BHP rund 19 Mrd. Dollar verloren und schließlich die Reißleine gezogen.Der Verkauf des US-Schieferölgeschäfts trieb den freien Cash-flow in der Berichtszeit auf 20,5 (12,5) Mrd. Dollar. Die Nettoschulden sanken von 10,9 auf 9,2 Mrd. Dollar. Dass die Rückführung nicht stärker ausfiel, lag an der Rekordausschüttung.Um Sondereffekte bereinigt stieg die Rendite auf das eingesetzte Kapital (Return on Capital Employed, Roce) konzernweit von 14,4 % auf 16,1 %. Dieser Wert wurde in den Segmenten Eisenerz (41 %) und – trotz des gesunkenen Ergebnisses – Kohle (26 %) weit übertroffen und von den Segmenten Öl/Gas (13 %) und Kupfer (6 %) unterboten.