Bilfinger gelingt Gewinnsprung
Eine hohe Nachfrage hat dem Industriedienstleister Bilfinger auch im zweiten Quartal einen Schub gegeben. "Die Nachfrage nach unseren Lösungen in unseren Kernindustrien ist auf hohem Niveau stabil, in einigen Bereichen nimmt sie weiter zu", sagt Vorstandsvorsitzender Thomas Schulz. Insbesondere profitiere das Unternehmen von den wachsenden Märkten im Bereich der Energiewende. Gleichzeitig setze Bilfinger ihre Strategie und vor allem das Effizienzprogramm um. Mit der Umstrukturierung in den USA liege das Unternehmen im Zeitplan. Die Aktie legte am Montag 4% zu.
Bilfinger will in den kommenden Jahren mit einer verschlankten Verwaltung sowie standardisierten Arbeitsabläufen effizienter werden. Jährlich sollen ab dem kommenden Jahr rund 55 Mill. Euro eingespart werden. Im Gegenzug fallen in diesem Jahr für das Programm erst einmal 62 Mill. Euro Kosten an. Geplant ist dabei auch der Abbau von 750 Stellen. Davon habe Bilfinger bis Ende Juni 251 abgebaut, hießt es. Der größte Teil davon sei außerhalb Deutschlands weggefallen, erläutert Schulz in einer Telefonkonferenz.
Weniger Jobs in Mannheim
Wie viele Arbeitsplätze in Mannheim abgebaut werden, wollte der Bilfinger-Chef nicht sagen, da sich das Management noch mit der Arbeitnehmervertretung in Verhandlungen befinde. Der Standort Mannheim sei aber gesichert. Dort sitze ein Großteil der Hauptverwaltung und damit werde auch ein größerer Anteil in Deutschland an Verwaltungs- und Administrationsstellen wegfallen.
Die Marge des Industriedienstleisters habe sich verbessert, lobt Analyst Gregor Kuglitsch von der Schweizer Großbank UBS. Insgesamt hätten die Kennziffern die Erwartungen übertroffen.
Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz im Jahresvergleich um 4% auf 1,12 Mrd. Euro. Währungsbereinigt legten die Erlöse um 6% zu. Mit mehr als 1 Mrd. Euro ging ein fast so hohes Auftragsvolumen wie im Vorjahr ein. Dabei profitiere Bilfinger von der Energiewende, sagt Schulz. So müssten etwa neu gebaute Produktionsanlagen für Batterien auch instandgehalten werden. Aber es gebe auch eine gute Nachfrage bei der Wartung und Instandhaltung von Anlagen aus der Öl- und Gasindustrie, Chemie und Petrochemie sowie Pharmaindustrie.
Sparprogramm greift
Im Tagesgeschäft lief es für Bilfinger noch besser, auch dank des jüngst aufgelegten Sparprogramms. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Goodwillabschreibungen (Ebita) legte um gut ein Drittel auf 43 Mill. Euro zu. Dazu trugen vor allem der Anlagenbau und die Wartung in Europa bei, aber auch das Geschäft mit größeren Anlagen. Die dazugehörige Marge verbesserte sich von 3,0% im Vorjahr auf 3,9%. Unter dem Strich blieb in den drei Monaten bis Ende Juni ein Gewinn von 30 Mill. Euro nach 19 Mill. ein Jahr zuvor.
Die Jahresziele bestätigt der Konzern. Im laufenden Jahr will Bilfinger die bereinigte Ebita-Marge von 3,2% aus dem Vorjahr auf 3,8 bis 4,1% hieven. Bis 2024 soll die Marge früheren Angaben zufolge auf mindestens 5% steigen und in den nächsten drei bis vier Jahren dann auf 6 bis 7% klettern. Dabei will das Unternehmen jährlich organisch um 4 bis 5% wachsen. Im laufenden Jahr peilt der Konzern Erlöse von 4,3 Mrd. bis 4,6 Mrd. Euro an, nach gut 4,3 Mrd. ein Jahr zuvor.