Börsenkandidat Stada wirbt mit Rekordergebnis für Milliarden-IPO
Stada zielt mit IPO auf Schuldenabbau
Zinslast soll deutlich sinken – Eigentümer Bain und Cinven nehmen zweiten Anlauf für Ausstieg per Börsengang
Stada plant nach einem starken ersten Halbjahr mit einem Rekordergebnis erneut einen milliardenschweren Börsengang in Frankfurt. Der Generikakonzern, der den Finanzinvestoren Bain und Cinven gehört, will damit seinen Schuldenberg abtragen. Das soll einen Cashflow aus Zinsersparnissen von 200 Mill. Euro freisetzen.
cru Frankfurt
Der Generikakonzern Stada nimmt nach einem Rekordergebnis im ersten Halbjahr den zweiten Anlauf für einen milliardenschweren Börsengang in Frankfurt. „Wir bereiten einen Börsengang im Herbst vor, sofern die Rahmenbedingungen stimmen“, sagte CEO Peter Goldschmidt in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Anders als im Frühjahr sei das Umfeld an den Finanzmärkten derzeit stabiler. „Außerdem ist es im momentanen Umfeld ein Vorteil, dass wir so gut wie kein Geschäft in den USA haben“, sagte Goldschmidt.
Vor der Sommerpause hatten der Online-Ersatzteilhändler Autodoc und die Medizintechnikfirma Brainlab ihre Debüts im letzten Moment abgesagt und damit auf die Stimmung am IPO-Markt gedrückt. Stada soll laut Finanzkreisen mit rund 10 Mrd. Euro inklusive 5,7 Mrd. Euro Schulden bewertet werden. Als koordinierende Investmentbanken hat das Unternehmen aus Bad Vilbel J.P. Morgan, Morgan Stanley, Jefferies und Rothschild engagiert. Stada zählt damit zu einer ganzen Gruppe von Unternehmen, die im Herbst an die Börse streben und damit dem IPO-Markt nach dem schwächsten ersten Halbajahr seit mehr als einem Jahrzehnt wieder Leben einhauchen könnten. Dazu zählen die Spin-offs des Autozulieferers Aumovio von Continental und der U-Boot-Tochter TKMS von Thyssenkrupp ebenso wie die geplanten IPOs des Prothesenherstellers Ottobock, der Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx und potenziell auch Tennet Germany.
Exits fallen schwer
Den meisten Private-Equity-Firmen fällt es wegen der seit drei Jahren andauernden Deal-Flaute zunehmend schwer, aus ihren Unternehmensbeteiligungen wieder auszusteigen, damit sie ihren institutionellen Investoren einen Teil von deren Einsatz zurückzahlen können. Stada gehört schon seit 2017 zum Portfolio von Bain und Cinven, die das Unternehmen damals mit einer Bewertung von 5,3 Mrd. Euro übernommen haben.
Seit 2023 versuchen die beiden Private-Equity-Häuser den Generikakonzern wieder zu verkaufen. Mit den Kaufinteressenten Clayton Dubilier Rice und zuletzt Capvest konnte man sich offenbar nicht auf einen angemessenen Preis einigen. Auch die IPO-Pläne im März dieses Jahres zerschlugen sich.
Große Kapitalerhöhung
Man wollte durch den Börsengang rund 1,5 Mrd. Euro per Kapitalerhöhung einwerben – zusätzlich zu etwaigen Verkäufen von bestehenden Aktien durch die Private-Equity-Eigentümer. Damit könnten die Schulden abgebaut werden. Allerdings sollen die Schulden laut CEO Goldschmidt halbiert werden. Dafür könnte laut Finanzkreisen zusätzliches Geld dienen, dass die Holding oberhalb von Stada sich per Kredit besorgt und dann an die Tochter nach unten weiterreicht. Damit könnte die Verschuldung auf das rund Dreifache des operativen Gewinns (Ebitda) gesenkt werden – ein Niveau, das für IPO-Investoren als erträglich gilt.
„Die Reduzierung der Schulden von 5,7 Mrd. auf 2,7 Mrd. Euro soll durch eine Kombination aus Erlösen und einer Kapitaleinlage der jetzigen Eigentümer erreicht werden“, teilte Stada auf Anfrage mit. Laut Konzernkreisen handelt es sich hierbei eindeutig um Eigenkapital für Stada ohne Rückzahlungsverpflichtungen. Für Stada werde die Schuldenreduzierung nach dem IPO einen Cashflow aus Zinsersparnis von 200 Mill. Euro freisetzen.
Im ersten Halbjahr steigerte Stada den währungsbereinigten Umsatz um 6% auf 2,1 Mrd. Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) kletterte um 5% auf einen Rekordwert von 481 Mill. Euro. Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Geschäft mit Spezialpharmazeutika, das 18% zulegte.