Autozulieferer

Bosch steigt ins Geschäft der Wasserstoff­elektrolyse ein

Das Stuttgarter Stiftungsunternehmen kündigt Investitionen von einer halben Mrd. Euro an. Die Geschäftsführung plädiert für mehr Zug in der Energiepolitik.

Bosch steigt ins Geschäft der Wasserstoff­elektrolyse ein

jh München

Bosch-Chef Stefan Hartung appelliert an die Politik, entschlossener die Reduktion des Kohlendioxidausstoßes anzugehen. Als Beispiele nannte der Vorsitzende der Geschäftsführung in der Jahrespressekonferenz die Förderung der Gebäudesanierung und einen massiven Ausbau der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen.

Wegen der Folgen des Kriegs in der Ukraine verlangsame sich kurzfristig der Rückgang der CO2-Emissionen, langfristig werde sich deshalb aber der Wandel der Technologien be­schleunigen, sagte Hartung. Der Krieg verdeutliche den Handlungsdruck auf Politik und Gesellschaft. Als Beitrag von Bosch nannte er Investitionen in klimaneutrale Technik wie Elektrifizierung und Wasserstoff: Gut 3 Mrd. Euro sollen es insgesamt in diesem und den nächsten zwei Jahren sein.

Die Elektrifizierung – nicht nur von Fahrzeugen, sondern auch in der Industrie und in Gebäuden – ist aus Hartungs Sicht „der schnellste Weg in ein klimaneutrales Leben“. Die Industriepolitik sollte alle Wirtschaftssektoren auf die Nutzung von grünem Wasserstoff vorbereiten. „Strombasierte Lösungen haben Vorfahrt, aber wasserstoffbasierte Lö­sungen müssen gleichzeitig mehr Fahrt aufnehmen“, betonte Hartung.

Bosch kündigte an, ins Geschäft der Komponenten für die Wasserstoffelektrolyse einzusteigen. Bis Ende dieses Jahrzehnts will das Unternehmen dafür eine halbe Mrd. Euro investieren. Die ersten Produkte sollen 2025 auf den Markt kommen. Für solche Komponenten wird im Jahr 2030 ein globales Marktvolumen von rund 14 Mrd. Euro erwartet.

Der Stuttgarter Technologiekonzern und größte Autozulieferer der Welt ist mit einem Wachstum ins Jahr 2022 gestartet. Der Umsatz sei im ersten Quartal um 5,2% gestiegen, berichtete der neue Finanzchef Markus Forschner. Die Geschäftsführung rechnet damit, im gesamten Jahr ein Plus von mehr als 6% zu erzielen. Die um Kaufpreiseffekte bereinigte Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern wird aus heutiger Sicht aber nicht das Vorjahresniveau von 4 (i.V. 2,8)% erreichen, sondern zwischen 3 und 4% liegen. Forschner begründete dies mit erheblichen Belastungen aufgrund höherer Kosten für Energie, Material und Logistik, bezifferte diese aber nicht.

Gerade im Autozulieferergeschäft (Mobility Solutions), dem größten der vier Geschäftssegmente, sei der Kostendruck hoch, fügte Forschner hinzu. Für bestimme Rohstoffe, zum Beispiel für Flach- und Rundstahl, hätten sich die Preise seit 2020 etwa verdreifacht. „Nicht nur die Automobilhersteller, auch die Zulieferer sind darauf angewiesen, Preissteigerungen weiterzugeben.“ Spartenchef Markus Heyn sagte, er sei zuversichtlich, dass in Gesprächen mit den Kunden Vereinbarungen erzielt würden. Nach einem Verlustjahr erzielte Mobility Solutions 2021 ein leicht positives Ergebnis mit einer Ebit-Marge von 0,7 (–1,3)%. Auch für dieses Jahr werde ein Gewinn angestrebt, sagte Hartung. Eine seriöse Prognose sei nicht möglich.

Bosch
Konzernzahlen nach IFRS
in Mill. Euro20212020
Umsatz7874871 494
Ebit2 8151 657
  in % vom Umsatz3,62,3
Ergebnis vor Steuern32991505
Nettoergebnis2499749
Operativer Cashflow68909016
Investitionen139493312
Eigenkapitalquote (%)45,344,0
Liquide Mittel61968955
Mitarbeiter2 (Anzahl)402614395034
1) in Sachanlagen; 2) am JahresendeBörsen-Zeitung