E-Autoriese BYD

Chinas Autoriese BYD erleidet heftigen Gewinneinbruch

Beim chinesischen Pkw-Marktführer BYD läuft es nicht mehr rund. Im zweiten Quartal sind die Gewinne um 30% zurückgegangen. Das Umsatzwachstum verlangsamt sich deutlich.

Chinas Autoriese BYD erleidet heftigen Gewinneinbruch

Chinas Autoriese BYD bekommt Preiskampf zu spüren

Erster Gewinnrückgang in einem Quartal seit drei Jahren – Umsatzwachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück

nh Schanghai

Für den chinesischen Marktführer und weltweiten größten Elektroautohersteller BYD brechen schwerere Zeiten an. Der von BYD selber maßgeblich angeheizte Preissenkungswettlauf im chinesischen Markt drückt auf die Erträge und führt erstmals seit drei Jahren wieder zu einem Gewinnrückgang in einer Quartalsperiode. Gleichzeitig droht das bislang hohe Absatzwachstum nun deutlich abgebremst zu werden.

Unerwartet schwaches Quartal

Der am Freitag vorgelegte Quartalsweis zum 30. Juni bringt die neuen Herausforderungen für den Primus in Chinas E-Auto-Markt deutlich zum Vorschein. Im Juni-Quartal sieht man einen unerwartet heftigen Rückgang des Gewinns nach Steuern um knapp 30% auf 6,4 Mrd. Yuan (rd. 760 Mill. Euro). Hauptgrund für den Ertragseinbruch sind die immer heftigeren Preisnachlässe, zu denen sich chinesische Autobauer gezwungen sehen, um ihre Marktanteile im heiß umkämpften E-Auto-Geschäft zu halten.

BYD genießt Kostenvorteile durch eine vertikale Struktur mit dem Eigenbau von Batterien, Chipelementen und anderen Komponenten gegenüber seinen wichtigsten chinesischen Konkurrenten, die zu relativ starken Margen führen. Im zweiten Quartal ist die Bruttogewinnspanne jedoch unter Druck geraten und sank deutlich von 16,3% auf 20,1% ein.

Die am Freitag nach Börsenschluss in Hongkong veröffentlichten Ergebnisse könnten den Abwärtstrend der BYD-Aktie weiter verstärken. In den vergangen vier Monaten hatten die Titel um mehr als 25% eingebüßt.

Auch das bislang überlegene Absatztempo von BYD stößt nun an seine Grenzen. Im zweiten Quartal stiegen die Konzernumsätze noch um 14% auf gut 200 Mrd. Yuan – für BYD gilt dies als eine bescheidene Wachstumsrate. Damit werden auch die Analystenprognosen klar verfehlt. Die Konsensschätzung hatte sich bei einem Plus von rund 25% eingependelt. Im ersten Quartal waren die Konzernerlöse noch um mehr als 36% in die Höhe geschossen. Über die erste Jahreshälfte hinweg kommt BYD nun mehr auf einen Anstieg der Konzernumsätze von noch 23% auf 371 Mrd. Yuan. Der Gewinn für die Sechsmonatsperiode kletterte um 14% auf 15,5 Mrd. Yuan.

Absatzziel in Gefahr

BYD hat sich für dieses Jahr ein extrem ambitioniertes Absatzziel gesetzt mit einer Steigerung der Verkäufe auf 5,5 Millionen E-Fahrzeuge, darunter etwa 800.000 in ausländischen Märkten. Mittlerweile wachsen aber die Zweifel, dass die Marke noch erreicht werden kann. Stand Ende Juli wurden etwas mehr als 3 Millionen Pkw ausgeliefert worden, rund 545.000 gingen in den Export. BYD weist damit trotz flotter Ausfuhren einigen Rückstand zum Planungsziel auf. Um es noch zu erreichen, müssten die Verkäufe in den kommenden Monaten deutlich gesteigert werden. Zuletzt kam BYD im Juli, einem saisonal gesehen allerdings besonders schwachen Monat, mit 344.000 verkauften Fahrzeugen auf nur noch 0,6% Wachstum gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Im Mai hatte BYD die Branche mit einer drastischen Preissenkungsrunde unter neuen Druck gesetzt und sich dabei mächtig Kritik eingefangen. Mittlerweile hat sich die Regierung eingeschaltet, um dem Preiskampf im E-Automarkt Einhalt zu gebieten und nimmt dabei insbesondere BYD ins Visier. Dies dürfte den Handlungsspielraum des Marktführers für eine neuerliche Absatzoffensive im heimischen Markt, der für mehr als 80% der Verkäufe aufkommt, deutlich einengen.