Immobilienentwickler

China Evergrande erhält neuerlichen Aufschub

Der pleitegefährdete chinesische Immobilienriese Evergrande zieht erneut den Kopf aus der Schlinge. Ein Hongkonger Gericht verschiebt Verhandlungen über einen Liquidationsantrag auf Ende Januar. Es gibt allerdings erhebliche Zweifel, dass dies zu einem tragfähigen Umschuldungs- und Sanierungsplan führen wird.

China Evergrande erhält neuerlichen Aufschub

China Evergrande erhält neuerlichen Aufschub

Hongkonger Gericht vertagt Abwicklungsentscheidung auf den 29. Januar – Überraschende Wende bringt mehr Zeit für Kompromiss mit Gläubigern

Der pleitegefährdete chinesische Immobilienriese Evergrande zieht erneut den Kopf aus der Schlinge. Ein Hongkonger Gericht verschiebt Verhandlungen über einen Liquidationsantrag auf Ende Januar. Es gibt allerdings erhebliche Zweifel, dass dies zu einem tragfähigen Umschuldungs- und Sanierungsplan führen wird.

nh Schanghai

Dem massiv überschuldeten und seinen Anleihegläubigern gegenüber zahlungsunfähigen chinesischen Immobilienentwickler China Evergrande Group ist am Montag von einem Hongkonger Gericht ein weiterer Aufschub gewährt worden, mit dem ein Liquidationsverfahren vorerst abgewendet wird. Wie die zuständige Richterin am High Court in Hongkong erklärte, wird es in acht Wochen am 29. Januar zu einem neuen Verhandlungstermin in dem vor über einem Jahr lancierten Evergrande-Verfahren kommen.  

In letzter Minute

Der neue Aufschub gilt insofern als Überraschung, als die Richterin den Gerichtstermin vom 4. Dezember als absolut letzte Chance für Evergrande bezeichnet hatte, um einen belastbaren und für die Anleihegläubiger akzeptablen Umschuldungs- und Restrukturierungsplan vorzulegen. Dies ist auch am Montag tatsächlich nicht der Fall gewesen. Allerdings hatte die Klägerseite in buchstäblich letzter Minute ihre Position dahingehend geändert, auch bei Nichtzustandekommen eines Kompromisses von einer sofortigen gerichtlichen Verfügung zur Abwicklung von Evergrande abzusehen.

Bondgläubiger verschnupft

Seitens des Klägers, einer relativ obskuren Investmentgesellschaft namens Top Shine, die eine Reihe von Evergrande-Gläubigern in einem Sammelklageverfahren um sich geschart hatte, wurde die Kehrtwende nicht kommentiert. Bei der Anwaltsfirma Kirkland & Ellis, die eine als Ad-hoc-Gläubiger bezeichnete separate Gruppe von großen institutionellen Investoren vertritt, hieß es, die von Evergrande beim Gericht eingereichte Umschuldungslösung sei von ihren Mandanten abgelehnt worden. Man sei davon ausgegangen, dass das Gericht einem Liquidationsantrag stattgeben würde.

Die Ad-hoc-Gruppe vereint Gläubiger, die etwa ein Drittel des von Evergrande im Hongkonger Offshore-Markt emittierten und seit Ende 2021 nicht mehr bedienten Anleihevolumens im Umfang von insgesamt 19 Mrd. Dollar vertreten. Einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma Deloitte zufolge würden die Bondhalter im Fall einer tatsächlichen Abwicklung des Evergrande-Konzerns mit einer Verwertungsquote aus der Konkursmasse von durchschnittlich nur 3,4% rechnen können. Sollte jedoch ein Restrukturierungsverfahren gelingen, könnten sie mit einer Rückgewinnung von etwa 22,5% rechnen. Derzeit notieren Evergrandes Dollarbonds auf einem minimalen Niveau von weniger als 2 Cent zum Dollar. Auf der Aktienseite sieht es nicht wesentlich besser aus. Zwar legte die Evergrande-Hauptaktie am Montag um 9% auf 0,26 HK-Dollar zu, damit verbindet sich allerdings nur ein Börsenmarktwert von umgerechnet noch gut 400 Mill. Euro. Dies vergleicht sich mit einer Börsenkapitalisierung von rund 45 Mrd. Euro vor Bekanntwerden der Probleme bei Evergrande und anderen großen Immobilienentwicklern.

Debt for Equity Swap gefordert

Mit dem Sinneswechsel von Top Shine ist Evergrande zwar noch einmal mehr Zeit gegeben worden, doch bezweifeln Experten, dass dies den Weg zu einem Schuldenkompromiss und Sanierungsplan wesentlich ebnet. Nach Informationen von Bloomberg hatten die Gläubiger einen Debt for Equity Swap gefordert, bei dem ihnen Kontrollmehrheiten an der in Hongkong börsennotierten Evergrande Group sowie zwei separat gelisteten Töchterfirmen zugestanden hätten.

Bei diesen derzeit an der Börse werthaltigeren Firmen handelt es sich um den Gebäudemanagement-Dienstleister Evergrande Property Services und Evergrande New Energy Vehicles, ein bislang wenig vielversprechendes Start-up für den Bau von Elektrofahrzeugen. Dem Vernehmen nach hätte Evergrandes letztes Angebot an die Gläubiger diesen Beteiligungen von 17,8% an Evergrande Group und jeweils 30% an den beiden Töchtern eingeräumt.

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