Daimler übertrifft Erwartungen
sck München – Wie die Wettbewerber BMW und Volkswagen hat Daimler mit einem guten Jahresschlussquartal 2020 die eigene Prognose und die Markterwartungen teils übertroffen. Der Stuttgarter Auto- und Nutzfahrzeughersteller teilte ad hoc mit, im vergangenen Jahr ein Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 6,6 Mrd. Euro erwirtschaftet zu haben. Das ist ein Zuwachs von 2,3 Mrd. Euro oder 53%. Die Analysten hatten im Schnitt mit 5,2 Mrd. Euro gerechnet.
Beim freien Cash-flow des Industriegeschäfts lag der Konzern mit erzielten 8,3 Mrd. Euro ebenfalls deutlich oberhalb der Konsensusschätzung (5,3 Mrd. Euro). Für den sprunghaften Anstieg der Barmittelzuflüsse sorgten unter anderem Kosteneinsparungen. 2019 verbuchte Daimler Barmittelzuflüsse von netto 1,4 Mrd. Euro. Zur Erinnerung: 2019 war für die Schwaben ein Horrorjahr aufgrund von Mehrbelastungen in Milliardenhöhe unter anderem infolge der juristischen Aufarbeitung von nachgewiesenen Dieselabgasmanipulationen (vgl. Tabelle).
Aktie dreht ins Plus
In der zweiten Jahreshälfte 2020 konnte der Konzern dank guter Geschäfte in China und einer gewachsenen Nachfrage nach Elektroautos die desaströse Entwicklung im ersten Semester – wegen der Coronakrise – kompensieren.
Die Anleger reagierten auf die Eckdaten des Dax-Unternehmens zunächst verhalten. In einem schwachen Markt büßte die Daimler-Aktie am Freitag anfangs bis zu 1,6% an Wert ein, drehte im weiteren Tagesverlauf aber ins Plus und beendete den Xetra-Handel bei 58,12 Euro (+0,9%). Die Deutsche Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung für den Titel mit einem Kursziel von 70 Euro. Warburg Research bekräftigte ebenfalls ihre Einstufung mit „Buy“ bei einem Kursziel von 68 Euro.
Daimler veröffentlicht ihre Bilanz für 2020 am 18. Februar.
Die Konzernführung schrieb von einem „starken vierten Quartal“. Als größter Ergebnisbringer erwies sich im Detail der Konzernbereich Mercedes-Benz Cars & Vans. Die Sparte, in der der Vorstand das Autogeschäft der Marken Mercedes und Smart mit den Transportfahrzeugaktivitäten zuvor zusammengefasst hatte, erzielte den Unternehmensangaben zufolge ein Ebit von 5,2 Mrd. Euro. Analysten erwarteten hier im Schnitt 3,9 Mrd. Euro.
Spürbar weniger Mehrkosten
Das operative Resultat entspricht dem 19-Fachen des Bereichsergebnisses von 2019. Seinerzeit rutschte das Segment Vans mit –3,1 Mrd. Euro tief in die Verlustzone. Das Autogeschäft verbuchte einen Gewinneinbruch auf 3,4 (2018: 7,2) Mrd. Euro. Dafür sorgten damals Zusatzaufwendungen von 2,2 Mrd. Euro (Vans) bzw. 1,9 Mrd. Euro (Mecerdes-Benz Cars) für die Aufarbeitung der Dieselaffäre.
2020 entfielen solche Mehrkosten in der Höhe nicht mehr an. Daimler bezifferte die Aufwendungen für gerichtliche Verfahren auf 164 Mill. Euro. Hinzu kamen Restrukturierungsaufwendungen von insgesamt 1,9 Mrd. Euro – Letztere vermutlich unter anderem für den Personalabbau im Autogeschäft (Abfindungen, Verlagerungen). Trotz der Aufholjagd im zweiten Semester 2020 verbuchte Mercedes-Benz Cars im Gesamtjahr einen Absatzeinbruch von 10,3% auf 2,2 Millionen Einheiten. Der Lockdown im Frühjahr 2020 hinterließ deutliche Bremsspuren.
Der Konzernbereich Trucks & Buses verfehlte mit einem Ebit von 525 Mill. Euro hingegen geringfügig die Analystenschätzungen (556 Mill. Euro). Die Pandemie bremste den Bereich 2020 ebenfalls spürbar ab. 2019 erwirtschaftete Daimler im Nutzfahrzeuggeschäft noch insgesamt 2,8 Mrd. Euro, davon stammten 2,5 Mrd. Euro vom Lkw-Segment.
Die Sparte Mobility verzeichnete einen Rückgang des Ebit auf 1,4 (i.V. 2,1) Mrd. Euro. 2019 profitierte der Bereich noch von Wertzuschreibungen nach der Neuordnung des Geschäfts, welches unter anderem internetbasierte Zusatzdienste wie das Carsharing umfasst.
Daimler | ||
Konzernzahlen nach IFRS | ||
in Mill. Euro | 2020 * | 2019 |
Ebit | 6603 | 4329 |
dav. Cars & Vans | 5172 | 274 |
dav. Trucks & Buses525 | 2746 | |
dav. Mobility | 1436 | 2140 |
Sonderaufwand | 2038 | 5851 |
Freier Cash-flow | 8259 | 1368 |
Nettoliquidität | 17900 | 10997 |
*) vorläufig, untestiert; Zahlen 2019 der Bereiche teils addiert nach Umorganisation Börsen-Zeitung |