Deutsche Pharmaindustrie zeigt sich krisenfest
Deutsche Pharmaindustrie
zeigt sich robust
Branche setzt sich für Standortmodernisierung ein
swa Frankfurt
Die deutsche Pharmaindustrie zeigt sich in der Konjunkturkrise in robuster Verfassung. Die Produktion wird im Zuge der Normalisierung nach der Corona-Pandemie 2023 zwar schrumpfen, schon für das kommende Jahr wird aber wieder mit einem Wachstum gerechnet. Das geht aus der Prognose des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA) hervor. Dabei wird im laufenden Turnus nach zwei starken Jahren ein Rückgang der Produktion um 1,4% vorhergesagt – hier schlägt sich vor allem die sinkende Nachfrage nach Corona-Impfstoffen nieder. Im kommenden Jahr 2024 erwarten die Branchenvertreter ein Plus von 2%.
Starkes Exportgeschäft
Die Arzneimittelhersteller sind konjunkturellen Trends weniger stark ausgesetzt als andere Sektoren, unterstreicht Claus Michelsen, Geschäftsführer Wirtschaftspolitik beim VFA. Er hält den Aufwärtstrend in der Pharma für intakt und verweist auf eine gute Exportsituation mit deutlichen Zuwächsen im Ausland. Gesundheitsleistungen würden weiterhin global stärker nachgefragt. Für den Branchenumsatz schätzt Michelsen 2023 einen Rückgang um 2,9% auf 59 Mrd. Euro, im kommenden Jahr soll der Wert in etwa stabil bleiben. Preissteigerungen seien weiterhin moderat mit rund 3% im laufenden Jahr und 1% im kommenden Turnus.
Knackpunkt Gesundheitsdaten
Bei den 2022 um 6% rückläufigen Investitionen zeichnet sich noch keine Belebung ab. Der VFA rechnet mit einer Stagnation 2023. "Das hat auch politische Gründe", sagt Michelsen und unterstreicht die Notwendigkeit einer Modernisierungsagenda, um den Standort für High-Tech-Produktion zu stärken. Defizite sieht Michelsen vor allem in der digitalen Infrastruktur, im schnellen Marktzugang für innovative Pharmaprodukte und in der Fähigkeit, Produktionsstätten schnell skalieren zu können. Hier seien andere Länder weiter, auch in Europa.
Die Pharma wird aus Sicht des VFA auch in der unterschiedlichen Auslegung der Regulierung gebremst. Michelsen verweist speziell auf die Nutzung von Gesundheitsdaten, wo etwa Großbritannien ein deutlich vorteilhafteres Umfeld biete. Es gebe immerhin Initiativen im Bundesgesundheitsministerium, um Abhilfe zu schaffen, erkennt er an und mahnt eine schnelle Umsetzung an.