Trotz Unsicherheiten

Deutsche Unternehmen wollen US-Investitionen in den nächsten Jahren ankurbeln

Nach Umfragen der Außenhandelskammern planen nahezu alle in den Vereinigten Staaten aktiven deutschen Unternehmen eine Ausweitung ihrer Amerika-Aktivitäten. Die Auswirkungen auf den Standort Deutschland bleiben aber ebenso schwierig absehbar wie die Folgen der US-Wahlen auf Investitionsgelegenheiten.

Deutsche Unternehmen wollen US-Investitionen in den nächsten Jahren ankurbeln

Deutsche Firmen folgen US-Verlockungen

Unternehmen wollen Investitionen in den Vereinigten Staaten laut Außenhandelskammern ankurbeln

Nach Umfragen der Außenhandelskammern planen nahezu alle in den Vereinigten Staaten aktiven deutschen Unternehmen eine Ausweitung ihrer Amerika-Aktivitäten. Die Auswirkungen auf den Standort Deutschland bleiben aber ebenso schwierig absehbar wie die Folgen der US-Wahlen auf Investitionsgelegenheiten.

xaw New York

Deutsche Unternehmen folgen den Lockrufen des amerikanischen Marktes. Laut dem „German American Business Outlook“ der Deutschen Außenhandelskammern in den Vereinigten Staaten planen 96% der befragten Firmen, ihre US-Investitionen bis 2026 auszuweiten. Gegenüber 2023 sind die Teilnehmer damit leicht offensiver geworden. Deutlich legten indes die Anteile der Unternehmen zu, die mehr als 5 Mill. oder sogar über 10 Mill. Dollar in den Ausbau ihres amerikanischen Betriebs stecken wollen.

Das ist auch auf einen größeren Konjunkturoptimismus zurückzuführen. Hatten Anfang des vergangenen Jahres noch 65% der über 200 Umfrageteilnehmer angegeben, für 2023 ein moderates bis sehr starkes US-Wirtschaftswachstum zu erwarten, stellen für das laufende Jahr 90% eine solche Prognose auf. Matthew Luzzetti, US-Chefökonom der Deutschen Bank, stimmt darin ein und rechnet statt wie zuvor mit einer milden Rezession nun mit einer sanften Landung der amerikanischen Wirtschaft. Die Inflation nähere sich der Zielmarke der Federal Reserve von 2%, ohne dass schädliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zu beobachten wären. Auch die Finanzierungskonditionen hätten sich bereits entspannt.

Größe als Hauptanreiz

Die Größe und Stabilität des amerikanischen Marktes sowie die Nähe zur zahlungskräftigen Kundschaft stellen laut den Außenhandelskammern nach wie vor die Hauptanreize für deutsche Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten dar, deren Volumen sich gemäß Daten des US-Handelsministeriums bereits zwischen 2012 und 2022 auf 619 Mrd. Dollar mehr als verdoppelte.

Subventionen aus dem Inflation Reduction Act oder dem Chips and Science Act spielen nach Darstellung deutscher Firmen bei Investitionsentscheidungen eher eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich rollte die Förderung aus den mehrere 100 Mrd. Dollar schweren Programmen aufgrund bürokratischer Hürden zunächst nur langsam an.

Chemieindustrie sichert sich Subventionen

In einigen Branchen wie der Chemieindustrie nehmen staatliche Hilfen aber ein größeres Gewicht ein. Evonik legte im März des vergangenen Jahres den Grundstein für eine neue Anlage zur Produktion pharmazeutischer Lipide im Bundesstaat Indiana, die 2025 den Betrieb aufnehmen soll. Insgesamt soll das Projekt 220 Mill. Dollar kosten, davon kommen 150 Mill. Dollar aus Hilfen der Bundesbehörde Barda, die für den Kampf gegen große Gesundheitsbedrohungen zuständig ist. 

Immerhin 23% der Befragten gaben im „German American Business Outlook“ an, dass Staatsausgaben aus Washington den Absatz ihrer Produkte angeschoben hätten. Zudem teilten 14% mit, ihre Fertigung in Deutschland ausweiten zu wollen oder dies bereits vollzogen zu haben, um die wachsende Nachfrage in den USA zu bedienen. Dagegen haben 9% ihre Produktion in Deutschland zugunsten der Herstellung in US-Fabriken reduziert.

Die Außenhandelskammern errechnen daraus einen positiven Nettoeffekt der Amerika-Investitionen von 5% für den deutschen Wirtschaftsstandort. Jan Heck, Chairman der German American Chambers of Commerce, freut sich darüber, dass „sowohl Deutschland als auch die USA von transatlantischen Synergien profitieren“. Allerdings geht aus den Umfrageergebnissen nicht hervor, welchen Output die jeweils betroffenen Fabriken liefern und wie viele Arbeitsplätze durch die Reduktion von Produktionskapazitäten in Deutschland verloren gehen.

Wahl als Herausforderung

Der Inflation Reduction Act beinhaltet zudem Milliardenanreize für Investitionen in erneuerbare Energien – Nachhaltigkeit rücken auch in den USA aktive deutsche Unternehmen in den Fokus. Laut den Außenhandelskammern wollen 61% von ihnen mehr Mittel in die Stärkung des Umweltschutzes, sozialer Aspekte und der Governance stecken. Allerdings ist das Umfeld in den Vereinigten Staaten vor den Präsidentschaftswahlen deutlich ESG-feindlicher geworden. Dies zeigt sich an Nachhaltigkeitsfonds, aus denen laut Morningstar-Daten 2023 mit 13 Mrd. Dollar so hohe Summen abgeflossen sind wie nie. Hintergrund ist auch ein stärkerer politischer Druck auf ESG-Investoren in republikanisch dominierten Bundesstaaten.

Auch Deutsche-Bank-Ökonom Luzzetti räumt ein, dass sich die Folgen der Präsidentschaftswahl für die amerikanische Wirtschaft aktuell nur äußerst schwierig abschätzen lassen. Damit drohen laut Analysten auch wenig planbare Herausforderungen für die deutsche Investitionsaktivität in den USA.

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