Eon schielt auf EU-Fördermilliarden
ab Düsseldorf – Eon will sich einen Teil der EU-Fördermittel, die für den Klimaschutz vorgesehen sind, sichern. Von den 750 Mrd. Euro, welche die EU an Fördermitteln für Wirtschaftsbelebung in der Covid-19-Pandemie bereitstellen wolle, seien rund 60 Mrd. Euro für klimabezogene Ausgaben in relevanten Eon-Märkten vorgesehen, macht Eon-Finanzchef Marc Spieker die Rechnung auf. “Hieraus können sich Wachstumsmöglichkeiten und künftiges Ertragspotenzial ergeben”, sagte der Manager bei der Vorlage des Zwischenberichts für das dritte Quartal.Zwar sei das noch Zukunftsmusik, doch habe Eon intern schon 200 mögliche Projekte im Bereich der Netze, Infrastruktur und Energiespeicher ausgeguckt. Entsprechende Vorbereitungen liefen bis Ende des Jahres, bevor die EU-Mitgliedstaaten vom kommenden Jahr an ihre nationalen Pläne in Brüssel einreichten. “Im ersten oder zweiten Quartal wissen wir, wohin die Reise geht”, sagte Spieker. Doch auch ohne die Fördergelder hält Eon an den Investitionsplänen fest. Demnach sollen zwischen 2020 und 2022 in Summe 13 Mrd. Euro in die Hand genommen werden.Zupass kommt dem Energiekonzern dabei, dass sich die Folgen der Pandemie, die nach der ersten Jahreshälfte in einer Prognosekorrektur mündeten, nach vorne geblickt in Grenzen halten. Die Märkte hätten sich schneller erholt als erwartet, nach drei Quartalen sei im Schnitt ein Nachfragerückgang von 6 bis 7 % zu konstatieren. Seit sechs Wochen bewege sich der Stromverbrauch wieder weitgehend auf Vorkrisenniveau.Und besser noch: Bislang sei trotz des Teil-Lockdowns kein Rückgang erkennbar. Von daher ist Eon mehr als zuversichtlich, die revidierte Prognose zu erreichen. Demnach wird für 2020 ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebit) von 3,6 bis 3,8 Mrd. Euro erwartet und ein bereinigter Konzernüberschuss von 1,5 bis 1,7 Mrd. Euro.In den ersten drei Quartalen sank das bereinigte Ebit (pro forma gerechnet) um etwa 300 Mill. Euro auf 2,7 Mrd. Euro, der bereinigte Konzernüberschuss verringerte sich auf 1,1 (i.V. 1,3) Mrd. Euro. In der Pro-forma-Rechnung sind die Vorjahreszahlen um die Änderungen, die das komplexe Tauschgeschäft mit RWE nach sich zog, angepasst.Der Ergebnisrückgang war vor allem auf Belastungen im Zuge der Covid-19-Pandemie und die warme Witterung zu Beginn des Jahres zurückzuführen. Die Belastungen im regulierten Netzgeschäft, die etwa die Hälfte des negativen Ergebniseffekts ausmachten, würden in den kommenden Jahren wieder aufgeholt. “Die Folgen der Pandemie konnten und können wir durch rechtzeitige und vorausschauende Maßnahmen begrenzen”, sagte Spieker. Das Geschäftsmodell habe “in der Krise hohe Resilienz” bewiesen.Entsprechend hält Eon an den mittelfristigen Zielen und der Dividendenpolitik fest. Bis 2022 ist eine jährliche Dividendensteigerung um bis zu 5 % vorgesehen. “Eine stabile Dividende ist damit ausgeschlossen”, sagte Spieker, auch wenn sich heute noch nicht sagen lasse, wie groß das Dividendenplus für den laufenden Turnus ausfalle.Im Netzgeschäft gab das operative Ergebnis in den ersten neun Monaten auf Pro-forma-Basis um 9 % auf 2,3 Mrd. Euro nach. Neben den pandemiebedingt geringeren Volumina spielten dabei auch Regulierungseffekte in Schweden eine Rolle. Im Segment Kundenlösungen sank das bereinigte Ebit sogar um 10 % auf 378 Mill. Euro. Die deutlichen operativen Verbesserungen im britischen Kundengeschäft reichten allerdings nicht aus, um die Effekte aus der warmen Witterung und der Pandemie auszugleichen. Integration schreitet voranDie Integration von Innogy schreite planmäßig voran. Von daher macht Eon auch keine Abstriche an den avisierten Synergien. Bis 2022 sind nachhaltige Einsparungen von 740 Mill. Euro geplant, bis 2024 von 780 Mill. Euro. Im laufenden Turnus sollen schon 20 % der Einsparungen realisiert werden. Den Klagen von Wettbewerbern gegen die Kartellfreigabe des Deals mit RWE sieht Spieker gelassen entgegen. Den offenen Brief von den im Verband kommunaler Unternehmen zusammengeschlossenen Stadtwerken und Regionalversorgern bezeichnete er als “viel Getöse um nichts”.