Etihad hilft Air Berlin erneut
Großaktionär Etihad hat für 300 Mill. Euro die Air-Berlin-Tochter Niki gekauft – und hat damit die gähnend leere Firmenkasse der Berliner wieder etwas gefüllt.ge Berlin – Die hoch verschuldete Air Berlin verschafft sich mit dem Verkauf ihrer Anteile an der österreichischen Tochter Niki an Großaktionär Etihad Airways eine Atempause. Für 300 Mill. Euro gibt Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft ihre 49,8 % an Niki samt deren 21 Flugzeuge sowie den touristischen Slots nach Südeuropa, den Kanaren, Nordafrika und in die Türkei ab, teilten Air Berlin und die mit 29 % größte Aktionärin Etihad gestern mit. Für die auf dauerhafte Hilfe aus dem Ölemirat Abu Dhabi angewiesenen Berliner ist die geplante Transaktion – der die Behörden noch zustimmen müssen – ein lukrativer Deal, ist die Airline doch an der Frankfurter Börse nur noch 68 Mill. Euro wert – inklusive der nunmehr mit 300 Mill. bewerteten Niki-Anteile. Die Transaktion werde einen positiven Effekt auf das Finanzergebnis haben, erklären die Berliner.Air Berlin wies per 30. September Nettoschulden von 1,07 Mrd. Euro aus. Das Eigenkapital bewegt sich mit minus 1,03 Mrd. in ähnlicher Größenordnung – und das, obwohl Etihad seiner deutschen Beteiligung schon mehrfach unter die Flügel gegriffen hat, wie vor einigen Jahren bei der teuren Übernahme des Vielfliegerprogramms Topbonus.Wie sehr sich die Lage der Berliner zuspitzt, zeigte sich vor wenigen Wochen, als die Airline selbst für den Sommer einen Verlust einräumen musste. In diesem Quartal pflegen Fluggesellschaften dank des regen Urlaubsverkehrs die Verluste aus den verkehrsschwachen Wintermonaten auszugleichen. Anders Air Berlin, die nunmehr zusätzlich geschwächt in den defizitären Winter hineinfliegt. Etihad dominiertMit dem Ausstieg bei Niki treibt Vorstandschef Stefan Pichler den Umbau bei Air Berlin voran. “Mit dieser Transaktion vereinfachen wir unser Geschäftsmodell, machen uns unabhängiger von saisonalen Flugzielen und verbessern unsere finanzielle Situation.” Pichlers Ziel ist, die Airline zu einem Netzwerk-Carrier vergleichbar einer kleinen Lufthansa zu wandeln, die neben innerdeutschen und europäischen Strecken auch Verbindungen in die USA anbietet und als Zubringer für Etihad in Abu Dhabi fungiert.Das touristische Geschäft, mit dem Air Berlin – beginnend mit dem Mallorca-Shuttle – groß wurde, bereitet allen Ferienfliegern inzwischen Kopfzerbrechen. Seit dem “arabischen Frühling” 2010 und verschärft durch die Bombenanschläge in der Türkei brachen die Buchungszahlen in das östliche Mittelmeer zusammen. Auch Tui hofft, mit dem Zusammenlegen der eigenen Airline mit den touristischen Aktivitäten von Air Berlin profitabler arbeiten zu können. Um immerhin 15 % sollen die Kosten bei Tuifly gedrückt werden, heißt es in Hannover.Auch Etihad hat gestern den Plänen zur Gründung einer neuen Ferienfluggesellschaft zugestimmt. Die Araber bringen ihre Niki-Anteile ein und erhalten dafür 25 % an der neuen Airline – und damit die dominierende Rolle. Tui wird 24,8 % an dem Joint Venture besitzen. Die restlichen 50,2 % hält die Niki Privatstiftung, die von einer Air-Berlin-Tochter gestiftet worden war und mit diesem Prozentsatz bei Niki beteiligt ist. Die Gremien dieser Stiftung sollen paritätisch von Etihad und Tui besetzt werden. Die operative Führung der Firma mit Sitz in Wien soll bei den Arabern liegen, da diese mehr Erfahrung bei der Führung einer Airline hätten als Tui. Anzunehmen ist, dass das neue Joint Venture bei seinem Start im April den eingeführten Namen Niki erhält. Ohne das Tui-Logo könnte damit künftig auch für Thomas Cook oder Alltours geflogen werden. Die Flotte der neuen Gesellschaft soll etwa 60 Maschinen umfassen, davon 21 von Niki und 14 Tuifly-Jets, die bis dato im Wet-Lease für Air Berlin fliegen.In Berlin zeigt man sich zuversichtlich, dass in Kürze auch der Vertrag mit Lufthansa/Eurowings zustande kommt, mit dem Air Berlin 40 Jets an den Konkurrenten vermietet.