Etihads Gedankenspiele
Von Lisa Schmelzer, FrankfurtIn einem sind sich am Donnerstag alle einig: “Zum Glück ist jetzt erst einmal Weihnachten, vielleicht kehrt dann ja ein bisschen Ruhe ein.” Denn von Ruhe kann in der deutschen Airline-Branche seit Monaten schon keine Rede mehr sein. Es vergeht nahezu kein Tag, an dem nicht eine neue Spekulation auftaucht. Das neueste Gerücht, gestern vom “Spiegel” verschickt: Air-Berlin-Großaktionär Etihad gibt seine Beteiligung an der deutschen Airline an die Deutsche Lufthansa ab und wird im Gegenzug Großaktionär bei Deutschlands größter Fluggesellschaft. Vorbild QatarAus Sicht der Etihad-Verantwortlichen wäre eine solche Transaktion sicher eine gute Idee. Das desaströse Europa-Engagement bei den Verlustbringern Air Berlin und Alitalia hätte ein gutes Ende gefunden, wenn die beiden Töchter bei Lufthansa abgeladen werden könnten. Man selbst stünde anschließend als Lufthansa-Aktionär ebenso gut da wie der Wettbewerber Qatar Airways mit seiner Beteiligung an der British-Airways-Mutter IAG, so womöglich die Überlegung in Abu Dhabi.Doch was sollte Lufthansa davon haben, einen der Golfcarrier in den Aktionärskreis aufzunehmen? Spekuliert wird über eine Beteiligung von 10 %, so dass auch Etihad-Vertreter in den Aufsichtsrat einziehen würden. Zudem würde eine Beteiligung in dieser Größenordnung wohl eine Kapitalerhöhung nötig machen, auch daran hat das Lufthansa-Management eigentlich kein Interesse.Dagegen haben die Lufthanseaten durchaus ein Interesse an Air Berlin, gerade in der vergangenen Woche wurde eine Zusammenarbeit vereinbart (vgl. BZ vom 17. Dezember). Aber bei Alitalia, an der sich schon Air France und jetzt Etihad die Finger verbrannt haben, halten sich die Deutschen sicher zurück. Die italienische Airline ist ein chronischer Verlustbringer, und der italienische Markt, längst von Ryanair dominiert, liegt am Boden. Ein eigenes Engagement hatte die Lufthansa vor einigen Jahren in dem südeuropäischen Land gestartet (“Lufthansa Italia”) und schnell wieder aufgegeben.Grundsätzlich wäre eine Zusammenarbeit mit einer Golf-Airline sinnvoll, denn dadurch würde die Präsenz in Asien ausgebaut und das Netz erweitert. Doch ausgerechnet Etihad? “Für Lufthansa kommt eigentlich nur Emirates in Frage, das ist das seriöseste Unternehmen aus dieser Region”, betont ein Branchenkenner. Kontakte zu Emirates gibt es zuhauf, zumal dort zwei ehemalige Lufthansa-Manager – Thierry Antinori und Christoph Müller – zur Führungsspitze gehören.Allerdings hat sich die deutsche Fluglinie Etihad in den vergangenen Wochen schon angenähert. Ende vergangener Woche wurde nicht nur mitgeteilt, dass Lufthansa 38 Air-Berlin-Flugzeuge leasen wird, sondern auch, dass man mit deren Großaktionär Etihad zusammenarbeiten wird. Die Berufung des Lufthansa-Managers Thomas Winkelmann an die Air-Berlin-Spitze ist zudem Anzeichen dafür, dass Lufthansa Air Berlin mehr und mehr an sich ziehen will. So soll vor allem eine Pleite der angeschlagenen Gesellschaft verhindert werden, damit in der Folge nicht Wettbewerber wie Ryanair und Easyjet stärker im deutschen Markt Fuß fassen. Winkelmann soll die Kosten bei Air Berlin nun auf ein Niveau absenken, das den Aufwandspositionen beim Lufthansa-Ableger Eurowings entspricht.Eine weitere Annäherung zwischen Lufthansa und Air Berlin dürfte allerdings von den Kartellbehörden genau unter die Lupe genommen werden, täte sich doch dann der Marktführer mit der Nummer 2 in Deutschland zusammen. ——–Der Großaktionär von Air Berlin, Etihad, will sich angeblich an Lufthansa beteiligen.——-